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Branchenreport Ausgabe 2018

BANKEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 11 vom 22.11.2018


Der deutsche Bankenmarkt

An der allgemeinen Misere des deutschen Privatbankensektors hat sich auch 2018 nichts geändert. Die Dresdner Bank gibt es schon lange nicht mehr, die Commerzbank produziert bestenfalls Mikrogewinne und die Deutsche Bank ist schon froh, wenn sie überhaupt Gewinn macht. Die Commerzbank ist kürzlich aus dem Dax herausgefallen, die letzte Großbank im deutschen Aktien-Leitindex ist damit die - weiterhin schlingernde - Deutsche Bank. Angesichts der hierzulande seit zehn Jahren brummenden Konjunktur ist diese Entwicklung kaum zu verstehen, zugleich aber auch gefährlich, denn Deutschland braucht Großbanken für die Finanzierung seiner Wirtschaft.

In eigentümlichem Gegensatz zur Situation der privaten Geschäftsbanken stehen die beiden anderen Säulen des deutschen Kreditsektors da, die Sparkassen-Finanzgruppe und die Genossenschaftsbanken. Beide Gruppen trotzen der Niedrigzinsphase und verzeichnen jedes Jahr verlässlich hohe Gewinne.

Deutlich ambivalent ist hingegen die Situation der einst stolzen deutschen Landesbanken. Die HSH Nordbank ist ein Milliardengrab und wurde in diesem Jahr an eine US-amerikanische Investorengruppe verkauft. 16 bis 20 Milliarden Euro soll es die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein gekostet haben, die HSH vor dem Ruin zu retten; gerade einmal eine Milliarden Euro kam durch den Verkauf zurück.

Die Nord/LB hat noch vor kurzem die marode Bremer Landesbank übernommen und wird auch dadurch nun selbst zum Sanierungsfall. Eine Kapitalerhöhung muss wohl auf jeden Fall kommen, am Ende könnte aber auch eine weitere Konsolidierung im Landesbankensektor stehen. Auch im Gespräch ist eine Zusammenlegung der Nord/LB mit der recht gut dastehenden Landesbank Hessen-Thüringen. Über den Berg ist jedoch die einst mit zehn Milliarden Euro Steuergeldern gerettete BayernLB.

Die Frage, warum ausgerechnet im Wirtschaftsboomland Deutschland die Banken kippen, ist nicht leicht zu beantworten. Die privaten Großbanken argumentieren gerne damit, dass Deutschland zu viele Banken habe und darum hier nicht genügend Geschäft zu machen sei. Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehen das naturgemäß anders und verorten die Gründe in der mangelnden Effizienz der Geschäftsbanken. Auch gibt es Volkswirte, die die hohe Zahl der Banken als Segen für die Unternehmen ansehen und die hohe Bankgewinne ohnehin für unnötig halten. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass Deutschland tatsächlich besonders viele Banken hat. 2017 waren es 1 669 selbständige Kreditinstitute, wobei für diese Zahl freilich jede der regional gebundenen Sparkassen und Volksbanken einzeln mit addiert werden. Gleichwohl fällt der Abstand zu anderen europäischen Bankenmärkten ins Auge: In Frankreich waren es im selben Jahr 786, in Großbritannien 341 und in Spanien 283 selbständige Kreditinstitute.

Für das Argument, Deutschland sei overbanked, werden von den Geschäftsbanken auch die niedrigen Erträge herangezogen. So sollen die Erträge im Geschäft mit dem Kleinkunden (Retail-Banking) in Deutschland zwischen 2011 und 2016 um nur zwei Prozent gestiegen sein, während sie weltweit um 4,8 Prozent zulegten.

Im Fall der Deutschen Bank kommt nach wie vor hinzu, dass sie sich - wie andere Banken auch auf krumme Geschäfte eingelassen hat und dafür immer noch die Zeche zahlt. Von den zeitweilig auf eine vierstellige Zahl geschätzten Gerichtsfälle sind wohl viele beigelegt, allemal teuer kamen sie trotzdem. Abzulesen war dies an den hohen Rückstellungen, die die Deutsche Bank in letzten Jahren für ihre Rechtshändel vornehmen musste. So sind es auch und immer wieder die Kosten, die den deutschen Bankensektor lahmlegen und die darum durch Stellenstreichungen gesenkt werden sollen. Viel Positives haben die Reduzierungen bisher aber noch nicht bewirkt.

Noch beklemmender fällt die Betrachtung des deutschen Bankenmarktes aus, wenn man sich die europäischen Wettbewerber ansieht. Französische Großbanken wie BNP Paribas und Société Générale haben eine weit weniger prosperierende Heimatwirtschaft im Rücken, sind aber trotzdem hoch profitabel und weiten ihr Geschäft erfolgreich nach Deutschland aus. Auch die Konkurrenz durch neue Wettbewerber aus dem Bereich Finanztechnologie bereitet Sorgen (= Fintechs). Manche Bankenexperten fordern bereits, europäische Banken zusammenzulegen und so ein Gegengewicht zu den stark wachsenden Branchenführern aus den USA und China aufzubauen.

Grund zum Optimismus spendete auch nicht der kürzlich von der europäischen Bankenbehörde Eba durchgeführte Stresstest. Deutsche Banken landeten ziemlich weit hinten, richtig schlechte Noten gab es für die Deutsche Bank und die krisengeschüttelte Nord/LB. (1), (2), (3), [Abb. 1]


Unternehmen im Markt

Die Deutsche Bank hat sich im April von ihrem britischen Vorstandsvorsitzenden John Cryan getrennt, weil es auf dem Konsolidierungsweg zu langsam vorwärtsgeht. Der neue Chef Christian Sewing hat angekündigt, dass die Bank 2018 nach drei Verlustjahren in Folge endlich wieder einen Gewinn ausweisen wird. Weiter im Rekordtempo nach unten ging es trotzdem mit den Einnahmen der Bank. Diese lagen in den ersten drei Quartalen 2017 bei 1,7 Milliarden Euro, im laufenden Jahr sind es noch 750 Millionen Euro. Der Aktienkurs sinkt darum weiter und ist mittlerweile bei unter neun Euro angekommen. Die Cost-Income-Ratio ist mit 90 Prozent immer noch ausnehmend schlecht: Die Deutsche Bank muss 90 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Bei internationalen Wettbewerbern sind es nur 60 bis 70 Cent, die für einen Euro investiert werden müssen.

Wegen der schwindenden Ertragsmöglichkeiten bleiben die Kosten die wichtigste Stellschraube im Kampf um mehr Profit. So soll die Integration der in besseren Zeiten gekauften Postbank ab 2020 losgehen und zu Einsparungen in der Höhe von 900 Millionen Euro führen. Die Zahl der Vollzeitstellen soll von jetzt 94 700 auf weniger als 90 000 gekappt werden. Geschäftspolitisch soll ein weiterer Rückzug aus dem Investmentbanking die Lage bessern helfen. Alleine im Aktienhandel wurde bereits ein Viertel aller Stellen gestrichen. Allerdings herrscht Unklarheit darüber, wie die Bank mit einer ausgedünnten Personaldecke zu mehr Erträgen kommen will. Weiterhin Selbstbedienungsmentalität herrscht bei den Bonuszahlungen. Sogar im Verlustjahr 2017 erhielten Mitarbeiter zusammen 2,3 Milliarden Euro als Erfolgsbeteiligungen. (1), (4)

Zweitgrößte deutsche Bank ist seit dem Zusammenschluss mit der WGZ Bank die zum genossenschaftlichen Verbund gehörende DZ Bank. Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken gehört zu den wenigen Glanzlichtern am deutschen Bankenhimmel und hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres elf Prozent mehr Gewinn erzielt als im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn lag damit bei 1,03 Milliarden Euro. Damit hat die DZ Bank nach Steuern im ersten Halbjahr fast doppelt so viel verdient wie die Deutsche Bank. Für das Gesamtjahr ist ein Gewinn von 1,5 bis zwei Milliarden Euro anvisiert. Schlechte Presse hatte die DZ Bank in diesem Jahr dennoch. Wegen ihrer Verwicklung in so genannte Cum-Ex-Geschäfte, auch bekannt als Dividendenstripping, wurden die Geschäftsräume im Sommer von der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft durchsucht. Zudem will auch die DZ Bank die Kosten reduzieren und dafür Stellen streichen. In den kommenden vier Jahren sollen 485 Arbeitsplätze wegfallen. Derzeit hat die Bank rund 30 000 Mitarbeiter. (5)

Die drittgrößte deutsche Bank kommt aus der Gruppe der Förderbanken. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) steht seit Jahren gut da, hat ihr Fördergeschäft in diesem Jahr allerdings etwas zurückgefahren. In den ersten drei Quartalen 2018 wurden 51,3 Milliarden Euro als Förderkredite ausgereicht, im Vorjahreszeitraum waren es noch 54,7 Milliarden Euro. Innerhalb des deutschen Markts sanken die Ausreichungen von 41,1 Milliarden Euro auf 34,7 Milliarden Euro. Internationale Finanzierungen stiegen von 12,9 Milliarden Euro auf 15,8 Milliarden Euro.

Das niedrigere Fördervolumen beeinträchtigt die Erträge der Bank indessen nicht. 1,25 Milliarden Euro betrug der Konzerngewinn in den ersten neun Monaten, im Vorjahreszeitraum waren es 1,1 Milliarden Euro. Wie stabil die Bank dasteht, zeigt die kräftige Eigenkapitalquote von 20,1 Prozent. (6)

Die Commerzbank ist nur noch die deutsche Nummer vier und musste sich in diesem Jahr aus dem Dax verabschieden. Ersetzt wird die Bank im Leitindex durch den Zahlungsabwickler Wirecard, die Commerzbank ist jetzt im MDax gelistet.

Das dritte Quartal dieses Jahres brachte einen Gewinn von 218 Millionen Euro und somit 53 Prozent weniger, als im gleichen Quartal des Vorjahres verbucht werden konnten. Das bessere Ergebnis des Vorjahres ging allerdings nicht auf eine erfolgreichere Geschäftstätigkeit zurück, sondern schlicht auf den Verkauf des stolzen Commerzbank-Hochhauses in Frankfurt. Die Bank ist seitdem nur noch Mieter. Die Bank spricht trotzdem davon, dass sich der Konzernumbau immer mehr bezahlt macht. So hat man seit 2016 900 000 neue Kunden gewinnen können. Auch die Gesamteinnahmen legten in den ersten neun Monaten dieses Jahres zu - womit sich die Commerzbank in diesem Punkt deutlich von der Deutschen Bank abhebt. Die Gesamteinnahmen stiegen von 6,34 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 6,69 Milliarden Euro. Damit hat die Commerzbank die Erwartungen der Analysten übertroffen, was sicherlich als Erfolg zu werten ist. (1), (7)

Die größte deutsche Landesbank ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). In den ersten drei Quartalen hat die Bank einen Gewinn von 340 Millionen Euro erzielt. Das sind 20 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch für das Gesamtjahr ist ein Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe anvisiert. (8)

Die Bayerische Landesbank (BayernLB) ist vom Sorgenkind zum Stern der Landesbankengruppe aufgestiegen. 2018 hat die nunmehr wieder solide Bank in den ersten neun Monaten einen Gewinn vor Steuern in der Höhe von 716 Millionen Euro erzielt. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Gewinnanstieg um 30 Prozent. Nach Steuern blieben hiervon 569 Millionen Euro übrig. Im Gesamtjahr 2017 hatte der nachsteuerliche Gewinn bei 679 Millionen Euro gelegen, der somit im laufenden Jahr mit einiger Sicherheit deutlich übertroffen wird. Großen Anteil an dem Ergebnis hat die Deutsche Kreditbank, eine hundertprozentige Tochter der BayernLB. Die Bank ist als Direktbank aufgestellt und hat 2018 bisher 292 Millionen Euro zum Gesamtergebnis beigesteuert. (8), (9)

Die meisten Schlagzeilen - und diese sind fast durchweg negativ - produziert derzeit die Nord/LB. Ihr Abschneiden im Eba-Stresstest war so schlecht, dass sie alleine nicht mehr als lebensfähig gilt. Die Norddeutsche Landesbank braucht nun eine hohe Kapitalspritze, im Raum stehen 3,5 Milliarden Euro.

Die neuerliche Schieflage einer Landesbank kommt überraschend. Die Nord/LB war recht gut durch die Finanzkrise gekommen, die faulen Kredite aus Schiffsfinanzierungen wurden in den letzten Jahren nach und nach abgebaut. Die Übernahme der maroden Bremer Landesbank war jedoch augenscheinlich zu viel. 5,7 Milliarden Euro Eigenkapital stehen nun 7,7 Milliarden Euro an faulen Krediten gegenüber.

Die Nord/LB muss nun gerettet werden. Helfen könnte zwar das Land Niedersachsen, das 59 Prozent der Anteile hält. Jedoch wäre dies eine unerlaubte Finanzspritze, die wohl ein Brüsseler Beihilfeverfahren nach sich ziehen würde. Wieder im Gespräch, wie schon beim Verkauf der ruinierten HSH Nordbank, ist ein Einsteigen des US-Investment-Fonds Ceberus. Auch die Commerzbank und die Landesbank Hessen-Thüringen signalisieren Interesse für einen Einstieg.

Da die Sparkassen rund 30 Prozent der Nord/LB-Anteile halten, ist aber auch die seit vielen Jahren diskutierte Konsolidierung im Landesbankensektor nun wieder näher gerückt. Berichtet wird von dem Plan, die Nord/LB mit der Landesbank Hessen-Thüringen, der LBBW sowie der Dekanbank und der Berlin Hyp zu einer Super-Landesbank zu fusionieren. Damit könnte das Sparkassenlager einmal mehr verhindern, dass eine Landesbank private Eigner erhält - was bei HSH Nordbank nicht gelungen war. Die neue Super-Landesbank wäre größer als die Commerzbank und halb so groß wie die Deutsche Bank. (8), (10)

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gilt als grundsolides Finanzinstitut, hat in diesem Jahr aber einige Probleme. So lag der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr 2018 mit 200 Millionen Euro deutlich unter dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums, als 238 Millionen erzielt wurden. Der Gewinn nach Steuern sank von 150 auf 140 Millionen Euro. Hauptrund für das schwächere Ergebnis sind von Italien ausgehende Marktverwerfungen. (8), (11)

Die HSH Nordbank hat eine Alptraumgeschichte hinter sich und gehört seit diesem Jahr einer Gruppe von US-Investoren. Damit ist die HSH keine Landesbank mehr. Der Verkauf war von der EU-Kommission verlangt worden, weil die Bank jahrelang mit Steuergeldern über Wasser gehalten werden musste. 16 bis 20 Milliarden Euro soll dies den Steuerzahler gekostet haben, zurück kam beim Verkauf nur ein Bruchteil. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fuhr die Bank einen Verlust von rund 100 Millionen Euro ein. (8), (12)

Die deutschen Sparkassen zeigen sich von den Krisen bei den Geschäfts- und Landesbanken unberührt. Die sich jetzt auf eine Zahl von 385 Geldinstituten belaufende Gruppe hat im ersten Halbjahr in fast allen Bereichen zugelegt. 2017 stand ein Vorsteuergewinn von 5,1 Milliarden Euro zu Buche, nach Abgaben und Steuern blieben hiervon 2,2 Milliarden Euro übrigblieben. 2016 hatte das Ergebnis mit 4,8 Milliarden Euro Brutto und zwei Milliarden nach Steuern knapp daruntergelegen. (13)

Noch höher fielen die Gewinne der Genossenschaftsbanken aus. Die Gruppe aus Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und noch weiteren Unternehmen hat 2017 neun Milliarden Euro verdient, wovon nach Steuern 6,1 Milliarden Euro übrigblieben. Für das laufende Jahr sind Ergebnisse in vergleichbarer Höhe zu erwarten. (14)

Die Förderbanken mit ihrem Spitzeninstitut KfW ziehen ebenfalls unaufgeregt ihre Kreise, stehen solide da und gehen dem Fördergeschäft ohne Skandale nach. Die Gruppe besteht aus zwei Instituten des Bundes sowie 17 regionalen Banken. Bayern hat gleich zwei Förderbanken, so dass die Zahl der Institute die der Bundesländer um eines übersteigt.

Ein Problem war für die Förderbanken bisher die Regulierungspraxis durch Brüssel und durch die nationale Regierung. Die Banken nehmen für sich in Anspruch, mit ihrem Fördergeschäft anders behandelt werden zu müssen als risikoreich agierende Geschäfts- und Landesbanken. Die Aufseher haben die Argumente akzeptiert und darum in diesem Jahr einige Regulierungsausnahmen für die Förderbanken beschlossen. (15)

Die Institutsgruppe, die unter der Niedrigzinsphase am meisten zu leiden hat, sind die Bausparkassen. Der Grund ist, dass hohe Garantiezinsen aus früheren Jahren nicht angepasst werden können, was viele Alt-Vertragsinhaber dazu nutzen, auf die Zuteilung zu verzichten und das Geld stattdessen hoch verzinst bei der Bausparkasse zu belassen. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem vergangenen Jahr dürfen die Bausparkassen solche Altverträge jedoch kündigen, was auch in großem Umfang geschieht. Betroffen sind geschätzte 200 000 Verträge, die sich in der Gesamtmenge der 28 Millionen Bausparverträge zwar als gering ausnehmen. Jedoch haben die Altverträge nach Aussage der Bausparkassen für beträchtlichen Schaden in den Büchern gesorgt.

Gleichwohl geht es den Bausparkassen immer noch nicht gut. Dies zeigt der sogenannte Notfall-Fonds, der als Notgroschen für schwere Zeiten gilt. Seit 2012 ist die Geldreserve um 70 Prozent geschrumpft. Alleine 2017 wurden 50 Prozent des vorhandenen Betrags entnommen, aktuell sollen noch 637 Millionen Euro im Sicherungstopf sein. Die Debeka Bausparkasse, die Aachener Bausparkasse, die Alte Leipziger Bauspar und die Signal Iduna Bauspar haben ihren Notfallfonds inzwischen wohl ganz aufgezehrt.

Gleichzeitig mehren sich jedoch die Anzeichen für eine Trendwende. So geht die Zahl der Neuabschlüsse nach einer Delle im Jahr 2017 derzeit wieder nach oben. Zudem hat manche Kasse ihre Geschäftsstrategie angepasst. So treten immer mehr Bausparkassen als ganz normale Immobilienfinanzierer auf. (16)


Internationaler Bankenmarkt

Die US-Banken haben ihre europäischen Wettbewerber schon lange abgehängt und verdienen weiterhin Milliarden. Die Gewinne sind dabei so exorbitant hoch, dass sie im Vergleich mit den Bilanzen deutscher Kredithäuser wie Märchen aus dem Morgenland erscheinen. So hat JP Morgan einen Gewinn von 8,4 Milliarden US-Dollar erzielt - jedoch nicht im Gesamtjahr, sondern alleine im dritten Quartal. Insgesamt beträgt der Gewinn in den ersten neun Monaten 25,4 Milliarden US-Dollar. Die Bank of America kommt auf einen noch höheren Quartalsgewinn und meldete neun Milliarden US-Dollar. Die Investmentbank Goldman Sachs erzielte im dritten Quartal einen Gewinnanstieg um 19 Prozent auf 2,5 Milliarden US-Dollar, Morgan Stanley meldete 2,1 Milliarden US-Dollar.

Erkauft wird die glänzende Situation des US-Bankenmarkts freilich mit einer liberalen Regulierungspraxis, die die nächste Finanzkrise umso näher rücken lassen könnte. So haben die US-Banken viele Regeln des Baseler Akkords ausgesetzt oder nicht umgesetzt; zudem erlaubt der noch von Barack Obama eingeführte Dodd-Frank-Act wieder risikoreichere Geschäfte. (17)

Im Ranking der weltweit größten Banken sind auch die Banken Chinas stark vertreten. Geordnet nach Bilanzsummen nehmen chinesische Banken sogar die Plätze eins bis vier im weltweiten Ranking ein. Nummer eins mit einer Bilanzsumme von 4,12 Billionen US-Dollar ist die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), auf den weiteren die China Construction Bank (CCB) und die Agricultural Bank of China (ABC). Auch die Bank of China (BoC) gehört zu den Top-5. [Abb. 2]

Trotz ihrer Größe standen Chinas Kreditriesen lange im Verdacht, auf Bergen fauler Kredite zu sitzen und darum krisenanfällig zu sein. Jedoch hat die chinesische Notenbank eine große Kampagne zur Stabilisierung des Finanzmarktes durchgeführt, die gefruchtet hat. Zudem sprudeln die Gewinne, so dass Chinas Banken nach Einschätzung von Experten derzeit nicht nur groß, sondern auch stabil aufgestellt sind. Ob dies auch für die vielen kleineren Regionalbanken gilt, wird indessen weiter bezweifelt. (18)

Europas Banken sind im Vergleich mit dem US- und dem chinesischen Kreditsektor stark zurückgefallen. Nach wie vor wirkt die Finanzkrise, wie in Deutschland gerade die schlingernde Nord/LB deutlich zeigt. Italiens Banken sitzen auf noch mehr faulen Krediten und stehen im Verdacht, Auslöser einer nächsten Krise werden zu können. Auch die Nullzinsen der Europäischen Zentralbank sind Ursache für ausbleibende Gewinne.

Hauptproblem des europäischen Bankenmarkts bleiben aber notleidende Kredite, in der Bankenfachsprache auch bezeichnet als Non-Performing Loans (NPL). Immer noch gelten 5,1 Prozent der Kredite innerhalb der Eurozone als ausfallsgefährdet. In den USA liegt die NPL-Quote bei 1,5 Prozent, in China bei 1,75 Prozent. Faule Kredite binden Kapital und verhindern damit, dass sich Banken Neugeschäft betreiben können. Schnell geht der Abbau immer noch nicht voran. 2014 lag das NPL-Volumen in der Eurozone bei 1,1 Billionen Euro, Anfang 2018 waren es 950 Milliarden Euro. (3), [Abb. 3]



Trends


Fintechs werden zu Partnern der Banken

Finanztechnologie-Unternehmen, abgekürzt Fintechs, sind meistens kleine Start-ups, die mit neuen Ideen insbesondere für das Mobile Banking per Smartphone die Digitalisierung vorantreiben. Diese Unternehmen stehen in Konkurrenz mit den Banken, allerdings werden viele von ihnen auch zu Partnern. Laut einer aktuellen Studie bestehen in Deutschland zurzeit 560 Kooperationen zwischen Fintech-Firmen und klassischen Banken. Besonders Fintech-affin ist die Commerzbank mit 73 Kooperationen, gefolgt von der Deutschen Bank mit 58 Zusammenschlüssen. (19), (20)





Zahlen & Fakten


Abbildung 1:

Ganz am Ende mit dabei



Quelle: EBA Entnommen aus: Handelsblatt, 5.11.2018, Nr. 213, S. 31 (21)
Abbildung 2:

Nur zwei Europäer unter den Top-10



Quellen: Bloomberg Entnommen aus: Handelsblatt, 4.10.2018, Nr. 191, S. 22 (22)
Abbildung 3:

Griechenland hat die meisten Non-Performing Loans



Quellen: EBA Entnommen aus: Die Welt, 08.11.2018, Nr. 261, S. 17 (23)

Weiterführende Literatur:

(1.) ABSTIEGSANGST / Deutsche Banken: Haben Deutsche Bank und Commerzbank es noch in der Hand, ihr Geschäft zu drehen? Investoren haben ihr Urteil gefällt: nein. Es kann sogar noch schlimmer werden
aus Capital Nr. 10 vom 01.10.2018, S. 42-46

(2.) Warum deutsche Banken schwach sind
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2018, Nr. 259, S. 25

(3.) EBA-Stresstest 2018
aus Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Heft 22/2018, S. 1180

(4.) Deutsche Bank legt schon wieder Geld für Boni zurück
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2018, Nr. 248, S. 26

(5.) DZ-Bank-Gruppe 2018 und 2017
aus Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Heft 19/2018, S. 1012

(6.) Drittes Quartal 2018: KfW setzt Förderschwerpunkte auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit
aus news aktuell vom 07.11.2018

(7.) Commerzbank / Strategietreue versus Kostendisziplin
aus Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Heft 16/2018, S. 800

(8.) Geschäftsenwicklung der Landesbanken 2017/2018
aus Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Heft 22/2018, S. 1184

(9.) Bayern LB glänzt mit hohem Gewinn
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2018, Nr. 267, S. 20

(10.) NordLB / Der Norden sorgt sich um seine neue Krisenbank
aus Welt online vom 04.11.2018

(11.) Helaba leidet unter unruhigen Kapitalmärkten und tiefen Zinsen
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2018, Nr. 195, S. 19

(12.) HSH-Nordbank-Chef Ermisch bereitet Mitarbeiter auf 'immensen Kraftakt' vor
aus Handelsblatt online vom 19.11.2018

(13.) Bilanzpressekonferenz / Gut gewirtschaftet
aus Die SparkassenZeitung, 09.03.2018, Nr. 10, S. 1-2

(14.) VOLKS- UND RAIFFEISENBANKEN / Hohe Gewinne trotz Nullzinsphase
aus Handelsblatt Nr. 137 vom 19.07.2018 Seite 031

(15.) Landesförderbanken und die "passende" Regulierung
aus Die Bank, Heft 02/2018, S. 36-39

(16.) Bausparkassen erholen sich
aus Immobilien Zeitung 40-41 vom 04.10.2018 Seite 015

(17.) US-Banken legen starke Zahlen vor
aus Handelsblatt Nr. 200 vom 17.10.2018 Seite 037

(18.) Zögerliche Macht aus Fernost
aus Handelsblatt Nr. 191 vom 04.10.2018 Seite 026

(19.) FinTechs auf dem Weg zum gleichberechtigten Akteur
aus Die Bank, Heft 07/2018, S. 17-19

(20.) Alle 17 Stunden "verliebt" sich eine Bank in ein FinTech
aus Der Bank Blog vom 20.11.2018

(21.)Schlechte Noten für NordLB und Deutsche Bank
aus Handelsblatt Nr. 213 vom 05.11.2018, Seite 31

(22.)Zögerliche Macht aus Fernost
aus Handelsblatt Nr. 191 vom 04.10.2018, Seite 26

(23.)Ausgerechnet ein Italiener
aus DIE WELT Nr. 261 vom 08.11.2018, Seite 17

Andreas Menzen

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 11 vom 22.11.2018
Dokument-ID: r_ban_20181122

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