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Bezahlfernsehen - Umsatzwachstum und umkämpfte Sportrechte

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 24.02.2017


Bezahlfernsehmarkt wächst weiter

Obwohl das Bezahlfernsehen in Deutschland traditionell einen schwierigen Stand hat, wachsen die Umsätze kontinuierlich. Im vergangenen Jahr gab es ein Plus von rund sechs Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Abonnenten liegt bei über sieben Millionen. Auch die Zahl der Angebote steigt. Inzwischen kann man in Deutschland 105 Pay-TV-Programme abonnieren. Vor zehn Jahren waren es nur halb so viele. Davon sind 43 Kanäle auf Unterhaltung spezialisiert, 21 auf Sport. (7), (8), (9), [Abb. 1]


Discovery macht Sky Deutschland beim Sport Konkurrenz

Im deutschen Bezahlfernsehen gab es mit Premiere lange Zeit nur einen nennenswerten Anbieter. Zunächst beschränkte sich dieser auf Filme und Live-Übertragungen von Fußballspielen. 2005 fand dann der Gang an die Börse statt. Später wurde der Sender in Sky Deutschland umbenannt. Rentabel war Bezahlfernsehen in Deutschland allerdings nie. Erst 2014 ist Sky Deutschland erstmals in die Gewinnzone vorgestoßen. Inzwischen ist der Sender im britischen Mutterkonzern Sky aufgegangen. Sky Deutschland will sich nun breiter aufstellen, vor allem im Unterhaltungsbereich. Im wichtigen Sportsegment bekommt der Sender nun Konkurrenz von dem US-Medienunternehmen Discovery. (1)



Trends

Die Paid-Content-Umsätze im Bereich der audiovisuellen Medien sind in Deutschland im vergangenen Jahr um über 13 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro gestiegen. Pay-TV ist dabei das umsatzstärkste Segment mit einem Wachstum von rund sechs Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Paid Video legte um 25 Prozent auf rund 0,5 Milliarden Euro zu, Paid Audio um 32 Prozent auf rund 0,6 Milliarden Euro. (8)

Neue Anbieter auf dem Fernsehmarkt sind Streaming-Dienste wie Netflix. Das US-Unternehmen wächst rasant. Weltweit schauen fast 100 Millionen Abonnenten über die Streamingplattform Serien und Filme. Zwar sind Sport-Angebote, bisher die Domäne des Bezahlfernsehens, bei den Streaming-Diensten noch nicht weit verbreitet, doch das könnte sich bald ändern. Die britische Premiere League etwa ist in Deutschland nicht über Sky zu empfangen, sondern über den kostenpflichtigen Streaming-Dienst Dazn. Und in den USA will Amazon die Übertragungsrechte für Basketball, Football und Baseball ergattern. Gute Inhalte in kleinen Paketen zu bezahlbaren Preisen, tauglich für Smartphone oder Tablet - mit solchen Angeboten könnten die Streaming-Dienste das klassische Bezahlfernsehen unter Druck setzen. (5)

Die verschiedenen Programmpakete von Pay-TV-Plattformen sind nicht wirklich auf die Interessen der Abonnenten zugeschnitten. Dies legt eine Studie der britischen Preisvergleichs-Website uSwitch.com nahe. Demnach nutzen 49 Prozent der Abonnenten weniger als ein Fünftel der Kanäle, die zu ihrem jeweiligen Programmpaket gehören. Bei 38 Prozent der Kunden sind es sogar weniger als zehn Prozent. Für die Inhalte geben die Nutzer pro Jahr über 500 Pfund (600 Euro) aus. Am beliebtesten sind TV-Serien mit 54 Prozent, gefolgt von Filmen mit 51 Prozent. 32 Prozent sagen, dass sie vor allem Sport anschauen. (4)



Fallbeispiele

Der australoamerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch will den europäischen Bezahlsender Sky komplett übernehmen. Insgesamt elf Milliarden Pfund (13,1 Milliarden Euro) zahlt sein Konzern 21st Century Fox für die ausstehenden Anteile. Sky wird damit mit knapp 23 Milliarden Dollar bewertet. Murdoch gehören bereits 39 Prozent von Sky. Ein Abhörskandal bei der zu Murdochs Medien-Imperium gehörenden Sonntagszeitung News of the World verhinderte 2011 eine damals schon geplante Übernahme. Den Ausschlag für den erneuten Vorstoß gab das schwache Pfund, das durch das Brexit-Votum stark im Kurs fiel. Die Logik folgt der von anderen Übernahmen in der Medienbranche. Inhalte und Vertrieb werden zunehmend unter einem Dach vereinigt. (2)

Der britische Medienkonzern Sky, unter dessen Dach sich Sky Deutschland befindet, hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 (31.12.) von einem guten Geschäft in Deutschland und dem schwachen Pfund profitiert. Auf das Ergebnis drückten deutlich höhere Ausgaben für die Live-Rechte an der englischen Fußballliga. Das operative Ergebnis sank um zwölf Prozent auf 461 Millionen Pfund (540,3 Millionen Euro). Der Umsatz zog dagegen um zwölf Prozent auf 6,4 Milliarden Pfund an. Auf dem Heimatmarkt stiegen die Erlöse um fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Pfund, während sie in Deutschland und Österreich um fast ein Drittel auf 907 Millionen Pfund nach oben schossen. Grund war das schwächere Pfund. Ohne Währungseffekte hätte das Wachstum in Deutschland zehn Prozent betragen. (3)

Das mit Abstand wichtigste Produkt im deutschen Bezahlfernsehen sind die Live-Übertragungen von Fußballspielen. Von der Saison 2017/18 bis 2020/21 gilt ein neuer Vertrag. Demnach wird Sky nicht mehr exklusiv über die Spiele berichten. Mit an Bord ist künftig auch der US-Sender Discovery, der pro Saison Übertragungsrechte an 40 Spielen der Bundesliga sowie am Supercup und an den vier Relegationsspielen erhält. Den Fokus legt Discovery dabei vor allem auf das seit 2015 vollständig integrierte Tochterunternehmen Eurosport. Die Branche geht davon aus, dass noch weitere internationale Player auf den Markt kommen werden. Seit das Bundeskartellamt der Deutschen Fußball Liga die "No Single Buyer Rule" zur Auflage gemacht hat, war klar, dass Sky seine Exklusiv-Rechte verlieren wird. "No Single Buyer Rule" bedeutet, dass ein Unternehmen nicht alle Spiele allein aufkaufen darf. (1)

Im deutschen Fußball wird nun auch die dritte Liga zum Pay-TV-Produkt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vergab die Medienrechte ab der Saison 2018/19 für vier Jahre an SportA, den Rechtevermarkter von ARD und ZDF, sowie die Deutsche Telekom AG, die alle Spiele gegen Bezahlung anbieten werden. Das Rechtepaket umfasst auch Spiele der Frauen-Bundesliga und die Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft. Die Telekom hält bereits TV-Rechte an der Deutschen Eishockey Liga, der Basketball Bundesliga sowie dem Basketball-Europapokal und der nordamerikanischen Profi-Liga NBA. Für die Kunden ihres Entertain-Angebots ist beides umsonst. Wer keinen entsprechenden Vertrag bei der Telekom hat, muss extra zahlen. (6)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Pay-TV-Umsätze in Deutschland
Jahrin Millionen Euro
2002790
2003890
2004940
20051.040
20061.090
20071.090
20081.150
20091.070
20101.260
20111.460
20121.840
20131.900
20142.100
20152.200
2016*2.300

* Schätzung Quelle: VPRT eigene Recherchen

Weiterführende Literatur:

(1.) Erbitterter Kampf um TV-Rechte
aus Rheinische Post Nr. 28 - Düsseldorf-Mitte/West, 02.02.2017, S. 13

(2.) Murdoch greift nach Sky. Nachdem er 2011 im ersten Versuch scheiterte, versucht der Medientycoon erneut die volle Kontrolle beim Pay-TV-Schwergewicht zu erlangen
aus Handelsblatt Live vom 09.12.2016 um 23:00:00

(3.) Vor Übernahme: Pay-TV-Sender Sky wächst beim Umsatz
aus APA-JOURNAL Medien vom 26.01.2017

(4.) Pay-TV-Programmpakete gehen an Zuschauerbedürfnissen vorbei
aus Kontakter Online vom 12.12.2016

(5.) NETFLIX. Breaking Pay-TV
aus Handelsblatt Nr. 015 vom 20.01.2017 Seite 024

(6.) Künftig alle Drittliga-Spiele live im Pay-TV
aus Ostsee-Zeitung - Rostock vom 27.01.2017 Seite 19

(7.) Pay-TV erobert in Deutschland immer mehr Marktanteile
aus NWZ - Neue Württembergische Zeitung vom 27.07.2016

(8.) Audiovisuelle Medien erwarten 650 Millionen mehr Werbeeinnahmen
aus W&V Online-Magazin vom 24.10.2016

(9.) Pay-TV auf Wachstumskurs
aus W&V Online-Magazin vom 24.10.2016

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 24.02.2017
Dokument-ID: s_med_20170224

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