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Bezahlfernsehen - die Erlöse wachsen zweistellig

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 25.02.2020


Bezahlfernsehmarkt mehr als vier Milliarden Euro schwer

Der Bezahlfernsehmarkt wächst. 2018 überschritten die Umsätze für Pay-TV und Paid-Video-on-Demand in der DACH-Region, also Deutschland, Schweiz und Österreich, erstmals die Marke von vier Milliarden Euro, ein Plus von 14 Prozent. Für 2019 wurde ein Plus von 13 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro prognostiziert. Wie aus der Studie "Pay-TV in Deutschland 2019" des Verbands Privater Medien Vaunet weiter hervorgeht, lag der Umsatz in Deutschland 2018 bei 3,5 Milliarden Euro und 2019 voraussichtlich bei vier Milliarden Euro. Dabei erreichte Pay-TV inklusive der sendereigenen Video-on-Demand-Angebote ein Umsatzvolumen von rund 2,4 Milliarden Euro. Auf das Segment Subscription-Video-on-Demand (SVOD) - das sind unter anderem Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon Prime Video - entfielen circa 1,1 Milliarden Euro. (1), [Abb. 1]


Zahl der klassischen Abonnenten wächst kaum noch

Jahrelang war die Bereitschaft, für TV-Inhalte zu zahlen, in Deutschland nur gering ausgeprägt. Sky Deutschland (zuvor Premiere) war praktisch der einzige relevante Anbieter auf dem Bezahlfernsehmarkt. Heute ist das Angebot riesig, vor allem im Internet. Entsprechend ist es selbstverständlich geworden, für TV-Inhalte zu zahlen. Allerdings scheinen die Sättigungsgrenzen zumindest bei den Nutzerzahlen allmählich erreicht. 2018 kamen in der Dach-Region 100 000 neue Kunden hinzu. Damit wuchs ihre Zahl auf 8,8 Millionen an. Der weitaus größte Teil entfiel davon auf Deutschland, wo es 2018 7,8 Millionen Pay-TV-Abonnenten gab. Auch für 2019 wurde ein Zuwachs um 100 000 Kunden prognostiziert. (1), [Abb. 2]


Die besondere Bedeutung der Fußballsenderechte

Grund für den Aufstieg des Bezahlfernsehens war der Erwerb attraktiver Senderechte - vor allem aber die Live-Übertragung von Fußballspielen. Jahrelang war diese in der Hand von Sky Deutschland. Inzwischen ist dieses Monopol aber aufgebrochen. Der Internet-Sender DAZN besitzt schon jetzt einen Teil der Champions-League-Rechte, und für die kommende Rechteperiode hat man sogar Sky komplett ausgestochen. Auch das US-Unternehmen Amazon überträgt ab der Saison 2021/22 Spiele der Fußball-Champions League. Bislang hält Sky noch die Bundesligarechte für den Großteil der Spiele. Aber auch hier steht im Frühjahr die Neuvergabe an. (4), (5), (6)





Fallbeispiele

Der Bezahlsender Sky Deutschland hat seine Vormachtstellung auf dem deutschen Bezahlfernsehmarkt eingebüßt. Jahrelang waren die Fußball-Live-Übertragungen der Treiber des Geschäfts. Die Rechte an der Fußball-Champions-League hat der Sender im Dezember aber überraschend verloren. Sky steht nun unter Druck, wenigstens die Rechte an der Fußball-Bundesliga zu behalten. Sky Deutschland gehört inzwischen dem US-Medienkonzern Comcast, der 2018 die gesamte Sky-Gruppe für 30 Milliarden Euro übernommen hat. Seit dem Einstieg von Comcast werden auch keine Geschäftszahlen für Deutschland mehr veröffentlicht. Die Zahl der Abonnenten soll seit Ende 2018 bei etwa 5,2 Millionen stagnieren, der Umsatz sogar schrumpfen. Zudem kam es bei Sky Deutschland zu einem Führungswechsel. Auf Carsten Schmidt, der vier Jahre lang den Sender geführt hat, folgt nun Devesh Raj. Der ehemalige Unternehmensberater kommt vom neuen Eigentümer Comcast. (6), (7), (8)

Der Streamingdienst DAZN ist ein neuer Anbieter auf dem Bezahlfernsehmarkt. Mit Sport will man so erfolgreich werden wie Netflix mit Serien. Fußball ist das Verkaufsargument des Senders. DAZN schaffte den Einstieg in den deutschen Markt mit Übertragungen der englischen Premier League. Nun hat DAZN einen Coup gelandet. Die Fußballspiele in der Champions League sind von der Saison 2021/22 an nur noch bei DAZN und Amazon zu sehen. Auch bei der Fußball-Bundesliga mischt DAZN mit. Für etwas mehr als zehn Euro im Monat kann der Zuschauer so viel Sport sehen, wie er will, wo er will, wann er will und so oft er will. Deshalb wird DAZN als "Netflix des Sports" bezeichnet. Zahlen zum Umsatz, Gewinn und Abonnenten veröffentlicht DAZN nicht. (3), (4)

Im März 2020 kommt ein weiterer Anbieter auf den deutschen Bezahlfernsehmarkt. Dann startet Disney seinen Streamingdienst Disney+ in Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Der Netflix-Konkurrent soll derzeit mit Sky über eine Kooperation verhandeln. Die Konkurrenzfähigkeit möchte Disney auch mit seiner Preispolitik garantieren: Monatlich soll der Dienst in Deutschland knapp sieben Euro kosten. Die Resonanz in den USA, wo das Angebot bereits Mitte November 2019 an den Start ging, war groß: Dort wurde die Mobile App aus den App-Stores von Apple und Google bislang knapp 41 Millionen Mal heruntergeladen - und darin ist die Nutzung auf TV-Geräten noch nicht enthalten. (2), (9)

Die Privatsender RTL und ProSiebenSat.1 wollen mit eigenen Plattformen auf dem Streaming-Markt bestehen. So will "Joyn", das Joint Venture von ProSiebenSat.1 und dem US-Fernsehsender Discovery, ihre App weiterentwickeln. Zusätzliche Features sollen in den kommenden Monaten "die Nutzererfahrung optimieren"; etwa mit einer vereinfachten Content-Suche. Auch das erste Reality-Format wird produziert. Aktuell hat Joyn über sieben Millionen Nutzer, der Start des kostenpflichtigen Joyn Plus, Ende November, hat dabei nochmals einen kräftigen Schub gegeben. (9)

TV Now ist das Bezahlangebot der RTL-Gruppe. Das Angebot hat etwa fünf Millionen Nutzer. Ende 2019 wurde es erneut umstrukturiert. Mit Henning Tewes und Henning Nieslony hat man neue Co-Geschäftsleiter installiert. Sie sollen das Inhaltsportfolio der Plattform und ihre Monetarisierung gemeinschaftlich steuern. Oberstes Ziel dabei: das Angebot mit mehr Eigenproduktionen und Exklusiv-Premieren ausbauen. Das komplette Rechtepaket für die UEFA Europa League ist dabei ein wichtiger Baustein. (9)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Entwicklung des Pay-TV- und Paid-VoD-Umsatzes in Deutschland
Jahrin Millionen Euro
20121.900
20132.100
20142.200
20152.500
20162.700
20173.000
20183.500
2019*4.000

* Prognose Quelle: Vaunet Entnommen aus: www.vau.net (10)
Abbildung 2: Pay-TV-Abonnenten in Deutschland
Jahrin Millionen
20126
20136,4
20147
20157,3
20167,5
20177,7
20187,8
2019*7,9

* Prognose Quelle: Vaunet Entnommen aus: www.vau.net (11)

Weiterführende Literatur:

(1.) Ist der TV-Inhalt gut, zahlen die Nutzer
aus Horizont 31 vom 01.08.2019 Seite 006

(2.) Disney+ rückt Netflix auf die Pelle
aus taz.die tageszeitung vom 28.01.2020, Seite 18

(3.) "Wir meinen es ernst"
aus Anzeiger für Lehrte & Sehnde Ausgabe Lehrte & Sehnde vom 29.08.2019 Seite 25

(4.) Die Generation Stream
aus Zeit online vom 17.01.2020, Nr. 3

(5.) Amazon Prime zeigt künftig Spiele der Champions League
aus Zeit online vom 10.12.2019, Nr. 51

(6.) Sky verliert die Champions League
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2019, Nr. 290, S. 22

(7.) Endspiel bei Sky
aus Süddeutsche Zeitung, 19.02.2020, Ausgabe Deutschland, S. 27

(8.) Carsten Schmidt gibt sein Amt als Chef von Sky Deutschland auf
aus Handelsblatt online vom 21.11.2019

(9.) Streaming
aus werben & verkaufen Nr. 02 vom 05.02.2020, S. 10 - 11

(10.) 4 Milliarden Euro Umsatz: Pay-TV- und VoD-Angebote wachsen auf allen Wegen
aus werben & verkaufen Nr. 02 vom 05.02.2020, S. 10 - 11

(11.) Pay-TV-Abonnenten im deutschsprachigen Raum
aus werben & verkaufen Nr. 02 vom 05.02.2020, S. 10 - 11

Thomas Trares

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 02 vom 25.02.2020
Dokument-ID: s_med_20200225

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