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Bekleidungshersteller - machen mit mehr Mitarbeitern weniger Umsatz

TEXTIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 05 vom 09.05.2016


Bekleidungshersteller erhöhen trotz sinkender Umsätze die Zahl der Beschäftigten

Nach Angaben des Gesamtverbandes textil+mode steigerte die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie 2015 ihren Umsatz um 1,9 Prozent auf 17,42 Milliarden Euro. Berücksichtigt hierbei sind jedoch nur Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern. Die Textilunternehmen steigerten dabei den Umsatz um 3,4 Prozent auf 10,48 Milliarden Euro, die Erlöse der Bekleidungshersteller dagegen sanken leicht um 0,3 Prozent auf 6,94 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten in beiden Segmenten stieg um 1,5 Prozent auf 79 418. Die Textilunternehmen meldeten 52 222 Beschäftigte, ein Plus von 1,8 Prozent. Trotz des Umsatzminus erhöhte sich auch die Mitarbeiterzahl in der Bekleidungsindustrie, sie wuchs um 0,9 Prozent auf 27 196.

Für die gesamte Branche, inklusive der Firmen ab einem Mitarbeiter, legt textil+mode nur Schätzwerte vor. Demnach wuchs der Umsatz aller Textil- und Bekleidungsunternehmen im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent auf 29 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten soll um 1,5 Prozent auf 117 000 gestiegen sein. (1), (2)

Der Modeverband GermanFashion veröffentlicht abweichende Zahlen, wobei die Grundrichtung den Angaben von textil+mode ähnelt. Demnach sanken Umsätze die deutsche Modeindustrie um 0,3 Prozent auf geschätzte zwölf Milliarden Euro. Während sich die Zahl der Beschäftigten um 0,7 Prozent auf 24 665 erhöhte, sank die Zahl der Betriebe um 5,4 Prozent auf 123. Auch GermanFashion berücksichtigt hierbei nur Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern.

GermanFashion gibt auch darüber Auskunft, wohin die deutschen Bekleidungshersteller ihre Ware exportieren. Demnach ist Österreich mit Ausfuhren im Wert von 2,28 Milliarden Euro in 2015 der wichtigste Partner. Ein Wermutstropfen ist, dass der Wert um 0,3 Prozent unter dem des Vorjahres liegt. Es folgen die Niederlande, in die sich die Exporte um 2,2 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro erhöhten. Sorgen müssen sich die deutschen Unternehmen um Frankreich machen, die Ausfuhren in das westliche Nachbarland reduzierten sich um 4,2 Prozent auf 1,51 Milliarden Euro. Erfreuliche Nachrichten gibt es dagegen aus der Schweiz, die Exporte in das Alpenland wuchsen um 7,7 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. Das Sorgenkind ist Russland, mit einem Minus von 30 Prozent auf 0,46 Milliarden Euro wurde der höchste Rückgang verzeichnet. (3), (4), (5), [Abb. 1]


Kosten sollen bei der Beschaffung an Bedeutung verlieren

Für Bekleidungshersteller ist Sourcing ein wichtiges Thema. Die Hauptfrage ist, welche Beschaffungsstandorte genutzt werden sollen. Bisher spielte der Preis bei der Standortwahl eine herausragende Rolle, wie das Beispiel China zeigt. Lange Zeit galt es angesichts der niedrigen Löhne als das Land mit den besten Produktionsvoraussetzungen. Doch die Bedeutung von China für Mode- und Textilunternehmen sinkt, der Anteil des Beschaffungsvolumens für Europa hat sich von über 40 auf 32 Prozent in 2014 reduziert. Gründe hierfür sind immer weiter steigende Lohnkosten und der starke Yuan. Dennoch ist China bisher der mit Abstand wichtigste Sourcing-Markt geblieben, allein Deutschland importierte 2015 Waren im Wert von rund 8,44 Milliarden Euro aus dem Land, ein Plus von 2,8 Prozent.

Doch billigere Länder, deren Mindestlöhne deutlich unter denen von China liegen, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Sie weisen hohe Zuwachsraten auf, wenn auch teilweise von einer kleinen Basis ausgehend. So erhöhten deutsche Unternehmen das Sourcing-Volumen aus Bangladesch 2015 um 22 Prozent auf 4,27 Milliarden Euro, die Ausfuhren aus Indien legten um 5,3 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Die Importe aus Vietnam erhöhten sich um 22 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro. Pakistan verzeichnete ein Ausfuhrwachstum von 25 Prozent auf 0,6 Milliarden Euro, Kambodscha ebenfalls von 25 Prozent auf 0,87 Milliarden Euro. Verstärkt genutzt werden auch die Kapazitäten in Myanmar, die Ausfuhren nach Deutschland stiegen um 77 Prozent auf 0,15 Milliarden Euro.

Doch bei der Beschaffung geraten preisliche Unterschiede im Cent-Bereich immer mehr in den Hintergrund. Laut der Studie der Boston Consulting Group (BCG)-Studie Apparel at a Crossroads - the End of Low-Cost-Country Sourcing soll der Umzug der Auftraggeber von einem Land in das nächste, je nachdem wo die Preise am günstigsten sind, keine Zukunft haben. Wichtiger werden Geschwindigkeit und Innovationen. Gewinner sind die an Europa angrenzenden Länder, da diese flexibler sind und modische Trends schneller umsetzen können. Die Importe aus Marokko erhöhten sich beispielsweise um zwölf Prozent auf rund 0,3 Milliarden Euro. Zudem lohnt es sich für die Modeunternehmen die Fertigungsstätten ihrer Lieferanten technologisch aufzurüsten, da sie deren Fabriken fast vollständig auslasten. (3), (6),


Bekleidungsunternehmen aus unterschiedlichen Segmenten verzeichnen Wachstum

Wer sind die größten europäischen Bekleidungslieferanten? Eine Antwort liefert das aktuelle Ranking der Fachzeitschrift TextilWirtschaft, das 2014 genau 139 Unternehmen mit mehr als 75 Millionen Euro Umsatz auflistet. Diese kommen zusammen auf einen Umsatz von rund 76 Milliarden Euro. 92 Unternehmen verzeichneten Erlöszuwächse, 18 gleichbleibende Umsätze. Die Top drei zeigen, dass Wachstum in unterschiedlichen Segmenten möglich ist.

Unangefochtene Nummer eins ist der Sportartikelkonzern Adidas, der 2014 seinen Bekleidungsumsatz um 8,1 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro erhöhte. Rang zwei geht an die britische Luxusmarke Burberry mit Umsätzen in Höhe von 3,13 Milliarden Euro, ein Plus von 14,1 Prozent. Auf Platz drei liegt die dänische Bestseller-Gruppe, die mit Marken wie Vero Moda, Only und Jack&Jones den Umsatz um 3,8 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro steigerte.

Allgemein verzeichneten vor allem die Premium- und Luxusanbieter ein hohes Wachstum. Hugo Boss erhöhte den Umsatz um 5,8 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro, Armani um 14,2 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Auch Versace, die Christian Dior Group, Kering oder Brunello Cucinelli kamen auf ein beachtliches Plus. Zu den Verlierern mit teilweise zweistelligen Umsatzrückgängen gehören unter anderem Esprit, Mexx, Stefanel, Geox, Peuterey, Escada und Kwintet.

In einem separaten Deutschland-Ranking sind 56 Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz gelistet. 40 von ihnen kamen auf ein Umsatzwachstum, acht verzeichneten gleichbleibende Erlöse. Spitzenreiter ist Adidas, vor Hugo Boss und Esprit. Wieder in der Liste ist More&More, nicht mehr dabei sind René Lezard, Sanetta, Topaz und Strenesse. (7), [Abb. 2]


Kleidung verkommt zur Wegwerfware

Bundesbürger scheinen ihrer Kleidung sehr gleichgültig gegenüber zu stehen, sie verkommt zur Wegwerfware. Laut einer repräsentativen Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace, für die über 1 000 Konsumenten im Alter von 16 und 69 Jahren befragt wurden, liegen bei den Deutschen rund 5,2 Milliarden Kleidungsstücke in den Schränken. Von diesen werden rund 40 Prozent eher selten oder nie getragen. Aussortierte Kleidung landet im Müll oder der Kleidersammelbox. Laut Greenpeace geht dieses Verhalten zu Lasten von Umwelt und Gesundheit, da Kleidung mit vielen giftigen Chemikalien produziert wird.

Angesichts dieser Einstellung der Verbraucher wundert es dann doch, dass sich rund die Hälfte von ihnen von der Modeindustrie mehr Nachhaltigkeit wünscht. Um dem Verbraucherwunsch entgegenzukommen, hat die niederländische Non-Profit-Organisation Made-By den Mode Tracker eingeführt, mittels dem die Nachhaltigkeit in Modeunternehmen konkret messbar sein soll. Abgedeckt werden sowohl soziale als auch ökologische Faktoren. Dabei handelt es sich um Menschen, Produkt, Herstellung, Verpackung und Transport, eigener Betrieb, Gebrauch und Haltbarkeit, Produktabfall sowie Transparenz. Neun Unternehmen lassen sich derzeit über den Mode Tracker verifizieren, darunter G-Star und Haikure. (8), (11)





Fallbeispiele


Adidas: Speedfactory soll Produktion vor Ort möglich machen

Adidas baut in Ansbach eine Pilotanlage, die den Namen Speedfactory trägt. Getestet werden dort neue Konzepte zur automatisierten Fertigung. Es geht zum Beispiel um den Einsatz von Lasern, 3D-Druckern oder Robotern. Das Ziel ist es herauszufinden, wie man zukünftig in den jeweiligen Absatzmärkten vor Ort produzieren kann. (9)


Eterna: Investitionen im hart umkämpften Segment für Geschäftshemden

Eterna steigerte 2015 den Umsatz um 0,3 Prozent auf 97,6 Millionen Euro. Das Wachstum des Spezialisten für Hemden und Blusen ist allein dem heimischen deutschen Markt zu verdanken, hier wurde ein Wachstum von 1,9 Prozent verzeichnet. Die Exporte dagegen gingen um 3,7 Prozent zurück. Grund hierfür sind Unternehmensangaben zufolge vor allem Einbrüche im Russland- und Ukraine-Geschäft.

Forcieren will das Unternehmen vor allem das Geschäft im hart umkämpften Segment der Business-Hemden in der Preislage 49 Euro. Doch steigende Beschaffungspreise und eine harte Konkurrenz durch Eigenmarken und Olymp, dem Marktführer in diesem Segment, machen das Geschäft schwierig. Notwendige Investitionen will das Unternehmen möglicherweise über eine Anleihe finanzieren. Derzeit macht Eterna 60 Prozent des Umsatzes in der 59-Euro-Preislage.

In diesem Jahr will Eterna vor allem über selbst kontrollierte Flächen die Erlöse steigern. Auch der Onlinehandel spielt eine wichtige Rolle in der Wachstumsstrategie. Doch noch macht das Unternehmen im stationären Geschäft den Hauptteil seines Umsatzes. 28 Prozent der Erlöse erzielt Eterna in den 56 eigenen Stores, 72 Prozent mit rund 5 000 Wholesale-Partnern, die jedoch verstärkt auch im Netz verkaufen. (10)



Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Exporte nach Russland brechen ein

Entnommen aus: Amtliche Zahlen zur Lage der Modeindustrie 2015, Homepage Germanfashion, (5)
Abbildung 2: Nur Esprit verliert
Die zehn größten europäischen Bekleidungslieferanten
RangUnternehmenLandUmsatz 2014 in Millionen EuroDifferenz zum Vorjahr
1Adidas GroupD6.2798,10%
2Burberry Group */**GB3.13014,10%
3Bestseller-Gruppe **/***DK2.7003,80%
4Christian Dior Group +F2.69919,60%
5Tommy Hilfiger */** (1)NL2.6965,30%
6Hugo Boss (1)D2.5725,80%
7KeringF/I2.37911,60%
8Esprit */** (1)D2.100-10,70%
9Giorgio Armani +I2.00014,20%
10CalzedoniaI1.84715,40%
+ Umsatz geschätzt
* Geschäftsjahr 2014/2015
** Geschäftsjahr 2013/2014
*** Geschäftsjahr 2012/2013
(1) Umsatz mit Bekleidung und Schuhen

Quelle: TW Entnommen aus: TextilWirtschaft, 42/2015, S. 14 bis 16, (7)

Weiterführende Literatur:

(1.) Modeindustrie mit 1,9% Plus
aus TextilWirtschaft 9 vom 03.03.2016 Seite 009

(2.) Konjunkturbericht 02/2016
aus TextilWirtschaft 9 vom 03.03.2016 Seite 009

(3.) GermanFashion: Modeanbieter haben 2015 gut gemeistert
aus www.textilwirtschaft.de vom 07.04.2016

(4.) GermanFashion ist optimistisch
aus TextilWirtschaft 15 vom 14.04.2016 Seite 006

(5.) Amtliche Zahlen des Statistischen Bundesamtes 2015
aus TextilWirtschaft 15 vom 14.04.2016 Seite 006

(6.) Das Ende von billig
aus TextilWirtschaft 44 vom 29.10.2015 Seite 024 bis 025

(7.) Die Größten
aus TextilWirtschaft 42 vom 15.10.2015 Seite 014 bis 016

(8.) Greenpeace: Mode ist Wegwerfware
aus www.textilwirtschaft.de vom 23.11.2015

(9.) So fertigt man Schuhe im Hochlohnland
aus Produktion, Heft 16/2016, S. 11

(10.) Eterna, moderner
aus TextilWirtschaft 15 vom 14.04.2016 Seite 026

(11.) Made-By: Messbare Nachhaltigkeit
aus TextilWirtschaft 14 vom 07.04.2016 Seite 030

Markus Hofstetter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 05 vom 09.05.2016
Dokument-ID: s_tex_20160509

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