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Baumaschinenmarkt - Der Export boomt

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 12/2005 vom 22.12.2005

Beitrag

Die deutsche Bau- und Baustoffmaschinenindustrie boomt im Auslandsgeschäft und kann ihre Umsätze 2005 um mehr als zwölf Prozent auf 9,7 Milliarden Euro steigern. Mit einem deutlichen Wachstum im Ausland ist der Export Konjunkturmotor für die Branche. Für das kommende Jahr erwartet die Branche allerdings auch im Inland Zuwächse im einstelligen Prozentbereich.


Auslandsnachfrage bringt Belebung

Bis zum Jahresende werden sich laut Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Ausfuhren der Bau- und Baustoffmaschinenindustrie um 17 Prozent auf knapp 7,2 Milliarden Euro erhöhen. Die Exportquote der Branche liegt damit bei 74 Prozent. Hauptabnehmer sind die europäischen Staaten, USA, China, Russland und neuerdings die Golfstaaten. Für den schwierigeren deutschen Heimatmarkt gibt es bei den Baumaschinen ein Umsatzplus von drei Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der bislang anhaltende Abwärtstrend bei den Baumaschinen konnte damit in Deutschland 2005 gestoppt werden. Für die Baustoffmaschinen rechnet man dagegen mit einem Umsatzminus von fünf Prozent auf rund 630 Millionen Euro.

Die Bau- und Baustoffmaschinenindustrie insgesamt kann ihre Umsätze 2005 um mehr als zwölf Prozent auf 9,7 Milliarden Euro steigern. Diese Steigerung beruht auf der hohen Auslandsnachfrage nach Baumaschinen. Hier stiegen die Ausfuhren um 27%. Wichtigste Zielländer für die Branche sind die europäischen Nachbarstaaten, USA, China, Russland und die Golfstaaten. In China und den Schwellenländern Asiens boomt die Nachfrage nach Baggern, Bulldozern und Bergbaumaschinen. Die steigenden Rohstoffpreise und die damit höheren Einnahmen in den Schwellenländern führen zu Investitionen in den Anlagen- und Straßenbau. Als Newcomer im Export kommen zudem die Golfstaaten hinzu.
Der negative Inlandstrend setzte sich im ersten Halbjahr 2005 weiter fort. Hier gingen die Umsätze in den ersten 6 Monaten 2005 um 5% auf 1,22 Milliarden Euro zurück. Für das kommende Jahr erwartet die Branche im Inland allerdings Zuwächse im einstelligen Prozentbereich. Im Ausland sind nach Einschätzung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sogar zweistellige Umsatzsteigerungen möglich. (1), (2), (7), (9)

Die führenden Unternehmen im Baumaschinenbereich weltweit sind Caterpillar (USA), Komatsu (Japan), Volvo Construction (Schweden) und Liebherr (Deutschland, Schweiz).


Wege aus der Krise

Die führenden Unternehmen der Branche haben den Schritt aus der Krise der letzten Jahre durch eine breite Produktpalette und dem Ausbau des Miet- und Servicegeschäfts bewältigt. Große Chancen ergeben sich durch Leasingangebote in Asien als alternative Finanzierungsmöglichkeit für Neumaschinen. Als Hemmschuh für den Umschwung dürften sich weiterhin die hohen Energie- und Stahlpreise auswirken. (9), (10), (11)


Trendwende beim Abbau inländischer Produktion Die Japaner machen es vor

Die Verlagerung von Produktionsstätten erlebt durch einen der Marktführer, nämlich Komatsu, im Baumaschinensektor eine Trendwende. Für die Ausdehnung der Verkäufe in Asien plant das Unternehmen, das rund drei Viertel des Kerngeschäfts im Ausland generiert, nun wieder den Bau einer Produktionsstätte in Japan. Der Baumaschinenhersteller kopiert damit die Vorgehensweise der Elektronikindustrie, die nach den Produktionsverlagerungen in das preiswerte Ausland die heimischen Produktionsstandorte wieder entdeckt hat. Die lokale Fertigung bietet den Vorteil der hohen Produktivität und Zuliefernähe. Trotz der Lohnunterschiede zwischen Heimatland und Lohndumping in den Schwellenländern überwiegen die Produktivitätsvorteile. Diesen Vorteil bekommen bereits auch die deutschen Standorte als positive Entwicklung zu spüren, da Komatsu aus Gründen der Marktnähe beispielsweise seine Mobilbagger-Produktion von Großbritannien nach Hannover verlegte, weil Deutschland den mit Abstand größten Markt für Mobilbagger bildet. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend in Deutschland fortsetzt. (10), (12)



Fallbeispiele



Komatsu greift Caterpillar an
Bei den größten Baumaschinenanbietern Komatsu und Caterpillar deutet sich ein noch stärkerer Wettbewerb an. Nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten hat Komatsu den Angriff auf Caterpillar erklärt. Komatsu zweitgrößter Anbieter weltweit setzt dabei auf die Wachstumsmärkte Asiens. Hier erzielt Komatsu mehr Umsatz als der U.S. Rivale. Analysten schätzen das Komatsu 41% des Gesamtumsatzes in den Schwellenländern China und Russland erzielen und Caterpillar 33%. (6), (7), (10)

Liebherr profitiert von Entwicklung in Nordamerika, China und Osteuropa
Ebenfalls gute Zahlen liefert der deutsche Baumaschinenhersteller Liebherr International. Für 2005 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von erstmals 5 Milliarden Euro. 2004 profitierte Liebherr von der positiven Entwicklung in Nordamerika, China und Osteuropa. Das Segment Baumaschinen mit 63% Anteil am Gesamtumsatz stieg dabei um 16% auf 2,9 Milliarden Euro. (3)

Engpässe in Norwegens Bauwirtschaft
Die sich bereits 2004 abzeichnende Auftragslage in der norwegischen Baubranche setzt sich auf bis 2007 weiter fort. Mitte 2005 verbuchten die Baufirmen im Verlauf der letzten 12 Monate ein Plus von 15%. Das Umsatzplus für 2005 wird mit 6% - 7% beziffert. Profiteure des Aufwärtstrends sind Baustoff- und Baumaschinenhändler. Mit dem in Hochkonjunktur befindlichen Wohnungsbau melden erste Unternehmen Engpässe und setzen verstärkt auf Subunternehmen und externe Zulieferer.

Wachstumsdynamik bei Bau- und Erdbewegungsmaschinen in Italien
Seit 1998 meldet die italienische Bauwirtschaft steigende Zahlen. Der Wohnungsbau in Italien profitiert gerade durch die 3 Millionen Ausländer steigende Nachfrage nach Wohnraum. Steuerliche Begünstigungen bei Altbausanierungen schufen weitere Nachfrage. Italien setzt beim Neubau auf Stahlbetonbauweise. Seit 2000 ist der Stahlbeton-Verbrauch von 89,8 Millionen cbm auf geschätzte 111,4 Millionen cbm im Wert von 8,7 Milliarden Euro gewachsen. Entgegen negativer Prognosen für 2005 und 2006 setzt sich das Wachstum bei Bau- und Erdbewegungsmaschinen auch in 2005 mit 1,7% Wachstum fort. Starke Impulse verzeichnet das italienische Leasinggeschäft mit bereits 20% Marktanteil. (8)

Slowakische Baubranche meldet Sanierungsnachfrage
Für die nächsten Jahre ist mit Investitionen im slowakischen Wohnungsbau zu rechnen. Gesetzliche Vorgaben nehmen Eigentümer stärker in die Pflicht der Modernisierung. Diese Belebung des Absatzgeschäfts von Know-How und Technologien für das Modernisierungsgeschäft bietet Chancen für die Baumaschinenindustrie. Erheblicher Modernisierungsbedarf besteht bei Plattenbauten in der Slowakei. Von rund 862 500 Wohneinheiten sind rund 600 000 in Plattenbauten errichtet. Die überalterten Gebäude sind in den Bereichen Gebäudeausrüstung , Fassade und Balkone sanierungsbedürftig. (5)

Baumaschinenmarkt in der Türkei weiter expandierend
Der Markt für Baumaschinen in der Türkei verspricht weiterhin Wachstumsraten. Im Laufe 2005 entwickelte sich das türkische Baugewerbe für die ersten 6 Monate mit einem Plus von 19,7%. Zahlreiche neue Wohnsiedlungen forcieren die Nachfrage.
Der Maschinenpark der türkischen Bauindustrie ist veraltet. Die im Einsatz befindlichen rund 45 000 Baumaschinen sind in der Regel älter als 15 Jahre. Hie besteht ein erheblicher Bedarf an Neu-Maschinen. Der Engpass an Kranen hat mittlerweile dazu geführt, dass der staatliche Wohnungsbaufonds TOKI (Toplu Konut Idaresi) um die Einfuhrerlaubnis gebrauchter Krane von älter als 10 Jahren bei den staatlichen Ministerien angefragt hat. Der Markt für Baumaschinen einschließlich Bergbaumaschinen expandierte nach Angaben des Fachverbandes IMDER im Jahr 2004 gegenüber 2003 um 99% auf ein Volumen von 2,1 Milliarden Dollar. Für 2005 wird mit einem Wachstum von 34%. Die Versorgung des Marktes erfolgt über den Import vornehmlich aus den USA, EU, Japan und Korea. Für 2005 wird mit einem Verkauf von 7 500 Baumaschinen gegenüber 5 275 Maschinen zu 2004 gerechnet. (4)

Österreich
In Österreich ist im Baubereich mit einer Belebung zu rechnen, die sich jedoch nicht auf die Baumaschinen auswirken wird. Maschinenkäufe sind überwiegend im Vorjahr getätigt worden. Aufträge erwarten Unternehmen im Gebäudeneubau und in der Gebäudesanierung, da ab 2006 tritt die neue Gebäuderichtlinie in Kraft tritt, die für alle Neubauten einen Energieverbrauchsausweis fordert.

Zahlen & Fakten

Abbildung 1: Absatz von Baumaschinen 2004 und Prognosen für 2005-2006 in der Türkei



Quelle: IMDER

Entnommen aus: BFAI - Märkte im Ausland, 07.10.2005 (7)

Weiterführende Literatur:

(1.) O.V., Baumaschinen Boomender Export, DIE WELT, 14.09.2005, Nr. 215, S. 12
aus DIE WELT, 14.09.2005, Nr. 215, S. 12

(2.) O.V., Bauindustrie optimistisch, Süddeutsche Zeitung, 14.11.2005, Ausgabe Deutschland, S. 20
aus Süddeutsche Zeitung, 14.11.2005, Ausgabe Deutschland, S. 20

(3.) O.V., Liebherr will 5 Milliarden Umsatz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2005, Nr. 207, S. 17
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2005, Nr. 207, S. 17

(4.) O.V., Türkischer Markt für Baumaschinen bleibt expansiv, BFAI - Märkte im Ausland, 07.10.2005
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2005, Nr. 207, S. 17

(5.) O.V., Slowakische Plattenbauten stark sanierungsbedürftig, BFAI - Märkte im Ausland, 01.12.2005
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2005, Nr. 207, S. 17

(6.) O.V., Komatsu verdoppelt Gewinn, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2005, Nr. 256, S. 18
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2005, Nr. 256, S. 18

(7.) Kölling, Martin, Komatsu macht Jagd auf Caterpillar, Financial Times Deutschland vom 15.09.2005, Seite 9
aus Financial Times Deutschland vom 15.09.2005, Seite 9

(8.) O.V., Baustoffe sind in Italien noch stark nachgefragt, BFAI - Märkte im Ausland, 10.11.2005
aus Financial Times Deutschland vom 15.09.2005, Seite 9

(9.) O.V., Chancen im Reich der Mitte, Süddeutsche Zeitung, 26.10.2005, Ausgabe Deutschland, S. V2/5
aus Süddeutsche Zeitung, 26.10.2005, Ausgabe Deutschland, S. V2/5

(10.) Fuster, T., Wirtschaft im Gespräch. Gänzender Erfolgt mit schmutzigem Geschäft, Neue Zürcher Zeitung, 03.10.2005, Nr. 230, S. 15
aus Neue Zürcher Zeitung, 03.10.2005, Nr. 230, S. 15

(11.) Gygi, B., Baumaschinenproduzent Liebherr wächst zügig, Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2005, Nr. 189, S. 21
aus Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2005, Nr. 189, S. 21

(12.) Thiede, Meite, Komatsu verlagert nach Hannover, Süddeutsche Zeitung, 18.04.2005, Ausgabe Deutschland, S. 26
aus Süddeutsche Zeitung, 18.04.2005, Ausgabe Deutschland, S. 26

M.Klems

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 12/2005 vom 22.12.2005
Dokument-ID: s_mas_20051222

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