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Baumaschinen - angepeilt ist das dritte Wachstumsjahr in Folge

MASCHINEN- UND ANLAGENBAU | GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 10.08.2016


Positive Umsatzentwicklung

Die deutschen Baumaschinenhersteller sind von der Baisse im internationalen Maschinenhandel weniger stark betroffen als der Gesamtmaschinenbau. Während die Gesamtbranche im vergangenen Jahr keine Zuwächse erreichte, konnte die Baumaschinenindustrie ein Umsatzplus von sieben Prozent verbuchen. Das Gesamtvolumen der Teilbranche des Maschinenbaus lag damit bei neun Milliarden Euro. Im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) werden Baumaschinenhersteller mit den Anbietern von Baustoffanlagen zusammengefasst, die im vergangenen Jahr 4,3 Milliarden Euro umsetzten. Baumaschinen- und Baustoffanlagenindustrie haben damit 2015 zusammen einen Umsatz von 13,3 Milliarden Euro erzielt.

Für 2016 rechnen die Baumaschinenhersteller mit einem weiteren Umsatzplus von drei Prozent. Damit würde auch das laufende Geschäftsjahr für die Baumaschinenhersteller deutlich besser laufen als für den Gesamtmaschinenbau in Deutschland, der wiederum keine Zuwächse erwartet. Wachstumsimpulse erhofft sich die Baumaschinenbranche insbesondere durch Bestellungen aus Süd- und Osteuropa. Auch aus Frankreich kommen derzeit vermehrt Bestellungen, was an einem dortigen Sonderabschreibungsprogramm liegt. Wichtige Abnehmer wie Großbritannien und der deutsche Binnenmarkt sollen stabil bleiben. Aus Russland und China erwarten die Hersteller hingegen keine Zuwächse bei den Bestellungen. Russland ist infolge des EU-Embargos und der Wirtschaftskrise von seiner früheren Rolle als Wachstumstreiber auch für deutsche Baumaschinen weit entfernt. Auch die wichtigsten Wachstumsmärkte der vergangenen Jahre, Nordamerika und der Nahe Osten, ordern derzeit nur verhalten. Wenn am Ende des Jahres dennoch das anvisierte Umsatzplus zu Buche steht, wäre 2016 für die Baumaschinenindustrie das dritte Wachstumsjahr in Folge.

Baumaschinen sind per definitionem Geräte und Fahrzeuge, mit denen Bauaufgaben erledigt werden. Hierzu zählen Baustellen-LKW genauso wie Bagger, Kipper, Förderbänder, Betonmischer oder Betonsägen. Die Vielfalt der Gerätschaften ist also groß. Das Portfolio der Baumaschinenhersteller ähnelt dem der Landmaschinenfirmen, die Traktoren und Ackergeräte herstellen, und weniger den klassischen Maschinenbaubranchen wie dem Werkzeugmaschinenbau oder dem Druckmaschinenbau. Bekannte internationale Baumaschinenhersteller sind Caterpillar aus den USA und Komatsu aus Japan, die zugleich die beiden größten Hersteller weltweit sind. Auf Platz sechs liegt der in Deutschland bekannte Schweizer Konzern Liebherr. Deutsche Hersteller befinden sich - ungewohnt für den Maschinenbau - nicht unter den Top-10. (1), (2)


Impulse von der Weltleitmesse

Optimistisch stimmt die Hersteller nicht zuletzt, dass dieses Jahr wieder ein "bauma-Jahr" ist. Die Weltleitmesse für Bau- und Baustoffmaschinen in München findet nur alle drei Jahre statt, in diesem Jahr hatte sie die Pforten im April geöffnet. Die Messe ist für die Branche genauso wichtig wie beispielsweise die Drupa für die Druckmaschinenhersteller und sorgt häufig für danach anziehende Bestellzahlen. Die Messe selbst verzeichnete einen Besucherrekord.

Ein Haupttrend in der Baumaschinenindustrie, der auch der bauma den Stempel aufdrückte, ist die Umweltverträglichkeit der Maschinen. Den Herstellern werden beispielsweise bei den Abgasemissionen von der Europäischen Kommission strenge Normen auferlegt. Erst vor wenigen Wochen hat das EU-Parlament eine neue Verordnung verabschiedet. Für mobile Maschinen wie Bagger und Mähdrescher gelten damit ab 2019 die strengsten Emissionsgrenzwerte weltweit.

Ein anderes Thema ist der Baulärm. Auch hier sind die Hersteller angehalten, durch besonders leise Maschinen für Umweltverträglichkeit zu sorgen, Richtlinien hierzu gibt es bereits. Ein weiterer und schon lange bestimmender Trend ist die Entwicklung besonders energieeffizienter Baumaschinen. (1), (3), (4)


Auch Bagger werden digital

Wie in allen Industriebranchen bricht auch beim Bau von Baumaschinen gerade die Digitalisierung herein. Industrie 4.0 zeigt sich hier in Form vernetzter Baumaschinen, die selbständig Daten an Firmenzentralen oder an andere Fahrzeuge senden. Übermittelte Werte betreffen den Dieselverbrauch genauso wie den Spannungszustand von Batterien oder die Abnutzung von Werkzeugteilen. (6)





Fallbeispiele


Globale Rückgänge

2015 war für den weltweiten Absatz von Baumaschinen ein schwaches Jahr. Global wurden zehn Prozent weniger Baumaschinen verkauft als im Jahr davor, der Umsatz sank auf 84 Milliarden Euro. Der europäische Markt lief besser und verzeichnete mit plus 0,9 Prozent sogar einen kleinen Zuwachs. In diesem Jahr soll es auch im weltweiten Handel mit Baumaschinen wieder aufwärts gehen, die Prognosen liegen bei plus 3,9 Prozent. Für den europäischen Markt ist der Verkauf von 130 000 Baumaschinen vorhergesagt, 2015 waren es nur 125 000. (7)


Bauma in China

Die chinesische Variante der bauma wird im November dieses Jahres in Shanghai stattfinden. Zurück auf den Wachstumspfad wird der chinesische Markt aller Voraussicht nach trotzdem noch nicht finden. Im Vergleich mit dem Spitzenjahr 2011 hat der Baumaschinenabsatz im Reich der Mitte 80 Prozent seines Volumens verloren. Wurden damals 435 000 Baumaschinen verkauft, waren es nur noch 131 000 Stück im Jahr 2015. (5)


Zu viel High-Tech?

Auch in der deutschen Baumaschinenindustrie ist vor wenigen Jahren die Frage aufgekommen, ob die Hersteller gerade für Schwellenmärkte möglicherweise zu anspruchsvolle Maschinen konstruieren. Aktuell ist die Diskussion um einfachere Low-tech-Maschinen allerdings weitgehend verstummt. Immerhin haben es die deutschen Hersteller auf dem europäischen Markt mit den strengen Richtlinien zu tun, die die Europäische Union den Firmen auferlegt und die den Bau simpler Maschinen praktisch verbieten. (8)



Zahlen & Fakten


Das beste Jahr für die deutschen Baumaschinenhersteller war 2007. Die Hersteller erwirtschafteten vor neun Jahren einen Umsatz von 11,3 Milliarden Euro, 2008 waren es noch 11,1 Milliarden Euro. Dann schlug auch hier die Weltwirtschafts- und Finanzkrise zu. 2009 hatten sich die Umsätze halbiert, zu Buche standen nur noch 5,3 Milliarden Euro. Mit Ausnahme des Jahres 2013 geht es seitdem langsam aufwärts. 2014 wurden 8,4 Milliarden Euro erreicht, im vergangenen Jahr waren es neun Milliarden Euro. Damit ist die deutsche Baumaschinenindustrie von den Rekordmarken der Vorkrisenzeit immer noch ein gutes Stück entfernt.

Die deutsche Baustoffindustrie hatte 2008 ihr bestes Jahr. Damals lagen die Umsätze bei 5,3 Milliarden Euro. Diese Rekordhöhe wurde seitdem nie wieder erreicht. 2015 setzten die deutschen Anbieter 4,3 Milliarden Euro um. (1)

Gemessen am Produktionswert ist Caterpillar (USA) mit 28,28 Milliarden US-Dollar der weltweit größte Baumaschinen-Hersteller und verfügt über einen Marktanteil von 17,8 Prozent. Komatsu hat einen Marktanteil von 10,6 Prozent. Auf Platz drei rangiert Volvo Construction Equipment aus Schweden. (7)



Weiterführende Literatur:

(1.) Bauma 2016: Die Highlights
aus O+P Ölhydraulik und Pneumatik, Heft 6/2016, S. 60

(2.) Baumaschinenindustrie steigert Umsatz 2015 um 7 %
aus O+P Ölhydraulik und Pneumatik, Heft 6/2016, S. 60

(3.) Am Puls der Kunden
aus "Bau.zeitung" Nr. 09/2016 vom 17.05.2016 Seite 48,49,50,51,52

(4.) Die sparsamen Arbeitstiere / Baumaschinen punkten mit dem, was sie nicht brauchen: Platz und Kraftstoff
aus Fluid, Heft 3/2016, S. 22 - 27

(5.) Bauma China 2016: Baumaschinenhersteller erwarten leichten Aufschwung
aus O+P Ölhydraulik und Pneumatik, Heft 5/2016, S. 21

(6.) Bagger machen digitale Sprünge
aus VDI NR. 15 VOM 15.04.2016 SEITE 1

(7.) Baumaschinenhersteller erkämpfen sich Wachstum
aus Ke - konstruktion + engineering, Heft 3/2016, S. SH16 - SH17

(8.) Deutsche Baumaschinen zu gut für den Weltmarkt
aus Berliner Morgenpost online, 17.04.2013, 18:06:41

Robert Reuter

Metainformationen

Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 08 vom 10.08.2016
Dokument-ID: s_bau_20160810

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