Ökoprofit - Das Prinzip sparen für die Umwelt

UMWELTMANAGEMENT | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 09/2007 vom 02.09.2007

Beitrag

Treibhauseffekt und Klimawandel sind in aller Munde. Drastische Maßnahmen werden gefordert um den CO2-Ausstoß zu verringern und die Umwelt weniger zu beeinträchtigen. Energieeffizienz ist das Stichwort, das ökologische und ökonomische Ziele vereint. Verwirklicht wird sie durch das Ökoprofit-Programm.



Das Programm in der Theorie...

1991 wurde in Graz ein Programm entwickelt, mit dem ökologische Interessen und ökonomischer Erfolg in den Betrieben verwirklicht werden soll. Nach ersten Erfolgen wurde die Münchner Agenda 21 auf das Projekt aufmerksam und passte es an deutsche Verhältnisse an. Seither haben über 1 500 Betriebe in rund 80 Kommunen, die über ganz Deutschland verteilt sind, an dem Programm teilgenommen und dadurch nicht nur einige Millionen Euro sondern auch Hunderte Millionen Kilowattstunden Strom und viele Millionen Kubikmeter Wasser eingespart. Aber auch der Rohstoffverbrauch, das Müllaufkommen und die Verwendung gefährlicher Stoffe konnten zum Wohle der Umwelt reduziert werden. (1), (2)

Das Ökoprofit-Programm (ÖKOlogisches PROjekt Für Integrierte UmweltTechnik) ist urheberrechtlich geschützt. Möchte eine Gemeinde eine Ökoprofitrunde starten, so muss sie erst einmal die Rechte erwerben. In Zusammenarbeit mit entsprechend zertifizierten Umweltberatern werden im Zeitraum von einem Jahr für interessierte Kunden zwischen acht und zehn Workshops abgehalten. Deren Themen sind beispielsweise Umweltmanagement und Umweltpolitik, Energie, Wasser, Abfall, gefährliche Stoffe, Einkauf, Mobilität und vieles mehr. Zusätzlich finden vier bis fünf Beratungstermine in den entsprechenden Betrieben statt. In Betriebsrundgängen wird eine Bestandsaufnahme gemacht und Einspar- oder Änderungsmöglichkeiten aufgezeigt. (1), (2), (3), (5), (6)

Grundidee von Öko-Profit ist es, die Umwelt zu entlasten und dabei für den Betrieb Geld zu sparen eine klassische Win-Win-Situation für beide. Doch erst einmal müssen die Unternehmen investieren, nämlich einen geringen Beitrag abhängig von der Betriebsgröße für die Teilnahme an dem Programm. In einigen Bundesländern gibt es vor allem für kleinere Betriebe Fördergelder, die die Kosten für diesen einfachen Einstieg in das Umweltmanagement überschaubar hält. In Bayern kostet die Teilnahme mit Förderung für Betriebe bis zu 50 Mitarbeiter so beispielsweise nur 840 Euro. (4), (6)

Das Programm ist in verschiedene Module eingeteilt. Im Einsteigerprogramm durchlaufen die Interessenten die oben beschriebenen Workshops und Betriebstermine und entwickeln ein Umweltprogramm mit vorgesehenen Maßnahmen. Bei erfolgreicher Absolvierung erhält der Betrieb die Auszeichnung als Ökoprofit-Betrieb, die auch werbewirksam genutzt werden darf. (4), (5), (6)

Danach können die Betriebe im Ökoprofit-Klub den Erfahrungsaustausch fortführen und nach eigener Wahl bestimmte Themen in weiterführenden Workshops vertiefen. Die Teilnahme am Klub ist ebenfalls kostenpflichtig die Gebühren sind aber gering. (4), (6)

Das Modul Vom Ökoprofit zum Öko-Audit führt die interessierten Betriebe zur Validierung nach EMAS beziehungsweise zur Zertifizierung nach DIN ISO 14001 und damit zum geprüften Umweltmanagementbetrieb. (6)

In der Jahrgangsrunde 2006/2007 wurde in München erstmals ein Modul für Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern erprobt. Dieses nur fünf Workshops und drei Betriebsbegehungen umfassende Programm wurde vom Umfang her reduziert, bietet aber auch für wirklich kleine Unternehmen eine Möglichkeit, am Ökoprofit-Programm teilzuhaben. Aufgrund des Erfolges im laufenden Jahr wurde entschieden, diese Ökoprofit-Version auch in Zukunft anzubieten. (6)



...und in der Praxis

Viele Sparmaßnahmen, die häufig unter dem Begriff Ressourceneffizienz zusammengefasst werden können, kosten wenig bis gar nichts. Das Herunterdrehen der Heizung um wenige Grad spart jede Menge an Heizenergie ohne jegliche Kosten. Wasserspararmaturen an Waschbecken und Toilettenspülungen amortisieren sich schon nach kürzester Zeit. Fahrertrainings für das Sprit sparende Fahren kosten wenig bei großer Wirkung. So hat die im Rahmen von Ökoprofit tätige Beratungsgesellschaft B.A.U.M. Consult festgestellt, dass drei Viertel aller Ökoprofit Maßnahmen entweder gar nichts kosten oder sich in höchstens einem Jahr amortisiert haben. Je nach Betriebsgröße wurden bisher Kostensparungen von 4 000 bis 260 000 Euro pro Jahr realisiert. (6), (7)

Natürlich werden auch weitergehende Maßnahmen angeregt. Dämmungen an Gebäuden helfen beim Energiesparen, der Ersatz von giftigen oder problematischen Stoffen durch weniger gefährliche spart Entsorgungskosten und entlastet die Umwelt. Viele Produktionsprozesse lassen sich umweltschonender gestalten und auch die Nutzung von erneuerbaren Energien schont die Umwelt. Die Liste von möglichen Maßnahmen ist lang und wird ständig ergänzt. Über die Internetseite www.arqum.de/datenbank/ können viele dieser Maßnahmen und die dadurch erreichten Einsparungen eingesehen werden. (6), (7)



Fallbeispiele



Das Autohaus Weil in Friedrichsdorf konnte seinen Wasserbedarf durch Einbau von Sensor-Armaturen an den Handwaschbecken und wasserlosen Urinalen um 80 Prozent senken. (8)

Die Firma Infraserv Wiesbaden ersetzt den Brennstoff Erdgas durch Biogas, das in einer biologischen Kläranlage gewonnen wird. Rund zwei Millionen Kubikmeter Erdgas und dadurch eine halbe Million Euro können so jedes Jahr gespart werden. (9)

Die Firma TNT Express Deutschland setzt fast überall in Deutschland Ergas- statt Dieseltransporter ein. Zusätzlich wurden die Verkehrsflüsse restrukturiert wodurch 8,9 Millionen Fernverkehrskilometer bzw. 2,5 Millionen Liter Dieselkraftstoff eingespart werden können. (10)


Weiterführende Literatur:

(1.) Probst, Sonja, Energie sparen heißt Geld sparen, Allgemeine Zeitung Mainz, 28.04.2007
aus Allgemeine Zeitung vom 28.04.2007

(2.) O.V., Mit Ökoprofit Energiekosten sparen, Rheinische Post, 01.05.2007
aus Rheinische Post Nr. vom 01.05.2007

(3.) Kubina, Mario, Grüne Netzwerker, Süddeutsche Zeitung, 27.06.2007, Ausgabe Bayern, S. 40
aus Süddeutsche Zeitung, 27.06.2007, Ausgabe Bayern, S. 40

(4.) Wangner, Andrea, Ein Gewinn für die Umwelt, Stuttgarter Zeitung, 30.04.2007, S. 25
aus Stuttgarter Zeitung, 30.04.2007, S. 25

(5.) O.V., Stadt sucht Firmen für Öko-Profit-Projekte, Rheinische Post, 20.06.2007
aus Rheinische Post Nr. vom 20.06.2007

(6.) Ökoprofitseite des Rathauses der Stadt München www.muenchen.de/Rathaus/rgu/wirtschaft_gewerbe/oekoprofit/175763/index.html
aus Rheinische Post Nr. vom 20.06.2007

(7.) Bergius, Susanne, Energie-Effizienz senkt Betriebskosten beträchtlich, WirtschaftsWoche online, 15.06.2007, 16:11:32
aus WirtschaftsWoche online vom 20070615, 16:11:32

(8.) Färber, Cornelia, Der Strom-Ausschalter spart der Firma Kosten, Frankfurter Rundschau, 17.03.2007, S. 34
aus Frankfurter Rundschau v. 17.03.2007, S.34, Ausgabe: R Region

(9.) O.V., Biogas als Brennstoff Neun weitere Betriebe machen mit bei Ökoprofit, Wiesbadener Kurier, 06.07.2007
aus Wiesbadener Kurier vom 06.07.2007

(10.) Pilz, Donald, Investition in die Zukunft von Mensch und Natur, Logistik inside, Heft 12/2006, 29.12.2006, S. 16-19
aus Logistik inside, Heft 01/2007, S. 16-19

Autor GENIOS WirtschaftsWissen: I.Zeilhofer-Ficker
Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 09/2007 vom 02.09.2007
Dokumentnummer: c_umwelt_20070902

Dauerhafte Adresse des Dokuments: http://www.genios.de/document/GWW__c_umwelt_20070902
Alle Rechte vorbehalten: © GBI-Genios, München
Besuchen Sie uns bei: Facebook Twitter Google Plus XING