Manager - Müssen ihre Gehälter gedeckelt werden

WIRTSCHAFTSRECHT UND -POLITIK | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 04/2009 vom 23.04.2009

Beitrag

Es mag an der allgemeinen Wirtschaftskrise liegen, dass Manager in die Kritik geraten sind. Grund für den allgemeinen Zorn sind die Gehälter, die überhöht erscheinen. In diesem Zusammenhang wurde der Ruf laut, dass Managergehälter gedeckelt werden müssen. Die Politik solle eingreifen.

2,3 Millionen Jahresgehalt pro Dax-Vorstand

Die Gehälter der Manager sind in den vergangenen acht Jahren enorm gestiegen. So verdienten Dax-Vorstände im Jahr 2008 das 46-fache von dem Gehalt ihrer Angestellten; 2000 war es noch das 29-fache, im Jahr 1990 sogar nur das 14-fache. Doch es zeigt sich, dass sich die Wirtschaftskrise auch bei den Managergehältern niederschlägt: Noch im vergangenen Jahr lag der Faktor bei 52. Nach Berechnungen der der Beratungsgesellschaft Towers Perrin sind die Bezüge der Dax-30-Chefs im vergangenen Jahr durchschnittlich um 24 Prozent gefallen. Doch im Vergleich zum Gewinn pro Aktie kamen die Unternehmenschefs dabei noch gut weg. Denn der ist bei den größten deutschen Aktiengesellschaften im Schnitt um knapp 60 Prozent verfallen. Im Schnitt verdienen die Vorstände der 30 DAX-Unternehmen 2,3 Millionen pro Kopf. Am meisten streicht Siemens-Chef Peter Löscher unter den Dax-Chefs ein. Er kam im vergangenen Jahr auf 8,54 Millionen Euro. (1), (2)

Es mag logisch erscheinen, dass sich gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise der Zorn der Mitarbeiter beim Thema Managergehälter entlädt. Schließlich haben sich die Gehälter der Manager von denen der Angestellten abgekoppelt. So müssen manche Spitzenkräfte wie der Chef des US-Versicherers AIG, Edward Liddy, nach Drohbriefen um ihr Leben fürchten. In Großbritannien kam es zu Attacken auf Managervillen. In Frankreich wurde der Chef der US-Büromaterialfirma 3M, Luc Rousselet, von eigenen Mitarbeitern als Geisel genommen. (3)

Andere Länder, andere Sitten
In anderen Ländern herrschen andere Sitten: So verdient ein Manager in Skandinavien im Schnitt vermutlich nur das 30-fache; in den USA kann es schon auch mal das 200-fache vom Lohn der Angestellten sein. Und gerade deswegen dürfte Deutschland nicht zu weit hintanstehen, mahnten auch Experten. Denn auch bei Managern drohte die Gefahr, gerade zu Zeiten des Internet-Hypes, dass sie ins Ausland abwanderten. Im globalisierten Markt stiegen die Managergehälter eben enorm an. (1), (3), (4)


Ruf nach moralischer Obergrenze
So fordern Experten, dass es eine selbst auferlegte moralische Obergrenze bei den Managergehältern geben sollte. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise sollten sie sich am Unternehmenserfolg orientieren. Zudem sollten Manager stärker in die Pflicht genommen werden. Sie müssten dann auch für Risiken einstehen. Das würde so manchen Manager möglicherweise vorsichtiger in seinen Entscheidungen machen ähnlich den Familienunternehmern. Auch diese stehen voll im Risiko. (1)

Die Rufe nach einer Lohnobergrenze für Manager werden lauter. Und die Politik greift mittlerweile ein allerdings nur bei Firmen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Diese Manager sollen nicht mehr als 500 000 Euro verdienen dürfen. Hier herrscht Einigkeit auch mit dem US-Präsidenten Barack Obama. In den USA hat das Repräsentantenhaus gar eine so genannte Strafsteuer abgesegnet: Sonderzahlungen sollten mit 90 Prozent besteuert werden. In Frankreich sollen Bonuszahlungen in Unternehmen, die staatliche Hilfen erhalten, bis Ende 2010 eingeschränkt werden oder bei gleichzeitig massivem Jobabbau sogar verboten werden. In Schweden erhalten die Manager der 51 Unternehmen, die dem Staat gehören, keine Bonuszahlungen mehr. (1), (5), (6), (7)
Natürlich könnte man im Vorfeld ansetzen also: bevor der Vertrag geschlossen wird. Die einen fordern, dass die Aufsichtsräte ihre Aufgabe dabei ernster nehmen und beim Managergehalt Vorsicht walten lassen. Andere schlagen vor, dass bei der Hauptversammlung auch die Aktionäre über das Gehalt des Unternehmenschefs bestimmen sollten. Und Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, ruft seine Kollegen gar zum Gehaltsverzicht auf. Aufgrund ihrer Vorbildfunktion und im "Interesse des sozialen Friedens" sollten seine Kollegen ein Zeichen setzen und auch mal auf einen Bonus verzichten. Besonders spielte der Bankmanager auf seine Kollegen in der eigenen Branche an: gerade sie müssten "Opfer bringen". Ackermann verzichtete selbst 2008 auf seine Boni, damit verdiente er 90 Prozent weniger nur noch 1,4 Millionen Euro. (8), (9)

Auch bei Boni will die Politik nicht direkt eingreifen; indirekt will man aber doch ansetzen. Die Regierungskommission Corporate-Governance-Kodex will bis zum Sommer Vorschläge zu diesem Thema vorlegen. Dabei sollen Boni beispielsweise stärker an den langfristigen Unternehmenserfolg gekoppelt werden. Zudem soll der Eigenanteil der Manager an ihren Haftpflichtversicherungen für Fehlverhalten steigen. (10)
Auch die EU-Kommission kündigte an, Grundsätze aufzustellen. So solle die Auszahlung der Boni über mehrere Jahre gestreckt werden können; zudem sollen sie an das Risiko gebunden sein. Bei finanziellen Problemen sollen Finanzunternehmen die Auszahlung gar ganz verweigern können. Zudem so fordern die Europapolitiker - müssten die Auszahlungen in einer angemessenen Balance zum Fixgehalt stehen. So könnten die Vorstandsgehälter, die fast normal erscheinen, nicht durch die Hintertür aufgebessert werden. (11)

Beliebtes Wahlkampfthema

Schon jetzt haben Parteien die Managergehälter als beliebtes Wahlkampfthema entdeckt. Kein Wunder, wollen doch 88 Prozent der Deutschen eine Obergrenze bei Managergehältern. Für die CDU sagte Ronald Pofalla beispielsweise: "Die Gehälter müssen in einem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlichen Leistungen stehen. Hohe Entlohnung bei offenkundig schlechter Leistung ist schlicht unsozial." CSU-Chef Horst Seehofer forderte: "Die Politik muss diesen Auswüchsen einen Riegel vorschieben und die steuerliche Absetzbarkeit von Abfindungen begrenzen." Dennoch warnen CDU und CSU vor einer Rückkehr des Sozialismus. Die SPD spricht von einer Millionärssteuer; und die Linke in Person von Oskar Lafontaine will eine 80-prozentige Steuer für die Top-Verdiener der Wirtschaft. (10)

Aufsichtsräte gefordert
Einigkeit scheint darin zu herrschen, dass in Zukunft auch Aufsichtsräte stärker gefordert sein werden. Sie hätten zu lange mit den Managern gekungelt, heißt es da. Gerade wenn ein Unternehmenschef, der seinen Nachfolger noch selbst mit ausgesucht hat, in den Aufsichtsrat wechselt, scheint die Gefahr dafür besonders groß. Und so sollen die Mandate in Aufsichtsräten beschränkt werden von vier ist da die Rede. Zudem sollten sie in Zukunft genauer in die Bilanzen sehen, für überhöhte Managergehälter in die Pflicht genommen werden. Außerdem so die Forderungen sollen alle Aufsichtsräte gemeinsam entscheiden. So würde mehr Kontrolle entstehen. Und auch die Vergütung der Aufsichtsräte solle sich im Rahmen bewegen. Auch hier ist von einer Obergrenze von 500 000 Euro die Rede. (12), (4)



Fallbeispiele



Der Fall des Bahnmanagers Hartmut Mehdorn hat die Diskussion um die Managergehälter noch einmal angeheizt. Er musste seinen Posten nach der Datenschutzaffäre räumen, forderte aber dennoch die ihm vertraglich zustehende Abfindung ein. Mehdorns Vertrag, der vor einem Jahr erst verlängert wurde, läuft noch bis 2011. Zwar ist das Gehalt des Bahnmanagers aufgrund geringerer Erfolgsbeteiligungen 2008 von gut drei auf rund zwei Millionen Euro gesunken. Da Mehdorn aber in den vergangenen drei Jahren insgesamt fast acht Millionen Euro verdiente, kann er auf Zahlung von weiteren vier bis fünf Millionen Euro bis Mai 2011 pochen. (13), (14)

Im Falle der Commerzbank, die auf Staatsgelder zurückgreifen musste, ist das Gehalt der aktuellen Manager auf 500 000 Euro begrenzt. Doch die auslaufenden Verträge der scheidenden Manager waren davon nicht betroffen die Chefs der Dresdner Bank kassierten noch einmal insgesamt 58 Millionen Euro und das trotz der sechs Milliarden Euro Verlust. Nachdem Medien und Politik Druck gemacht hatten, verzichtete Ex-Dresdner-Chef Herbert Walter freiwillig auf die ihm zustehenden 3,6 Millionen Euro. (9)

Der amerikanische Versicherungskonzern AIG machte mit Sonderzahlungen in Höhe von 165 Millionen Dollar an Manager auf sich aufmerksam. Dabei hatte das Unternehmen auf 180 Milliarden Dollar Staatshilfe zurückgegriffen, um eine Pleite abzuwenden. Einige Manager wollten nach dem öffentlichen Sturm der Entrüstung 50 Millionen Dollar zurückzahlen. (6)


Weiterführende Literatur:

(1.) Masuhr, Jens, "Wer Risiken eingeht, muss haften", FOCUS-MONEY, Ausgabe 17 vom 15.04.2009, S.22-23
aus Frankfurter Rundschau v. 28.02.2009, S.1, Ausgabe: S Stadt

(2.) Büschemann, Karl-Heinz, Managergehälter 2008: Die Chefs von Industriekonzernen lösen Banker ab, Süddeutsche Zeitung, 03.04.2009, S. 24
aus Süddeutsche Zeitung, 03.04.2009, Ausgabe Bayern, München, Deutschland, S. 24

(3.) Masuhr, Jens, Ende der Gier? - Im Schnitt verdient ein Dax-Vorstand fast das 50-Fache seiner Angestellten. Jetzt kippt der Trend, FOCUS-MONEY, Ausgabe 17 vom 15.04.2009, S. 20-21
aus Süddeutsche Zeitung, 03.04.2009, Ausgabe Bayern, München, Deutschland, S. 24

(4.) O.V., Verdienste von Top-Managern stimmen mit Leistungen längst nicht mehr überein, VDI, Ausgabe 10 vom 06.03.2009, S. 23
aus VDI NR. 10 VOM 06.03.2009 SEITE 23

(5.) Mitterstieler, Esther, Der Neid lässt seltsame Blüten blühen, WirtschaftsBlatt, Ausgabe 3337 vom 08.04.2009, S. 12
aus WirtschaftsBlatt, 08.04.2009, Nr. 3337, S. 12

(6.) Toller, Andreas, Boni-Banker - Managergehälter vor gesetzlicher Regulierung, WirtschaftsWoche online, 06.04.2009
aus WirtschaftsWoche online vom 20090406, 13:21:36

(7.) Herrmann, Gunnar, Künftig nur noch Festgehälter / Schwedens Regierung schafft in ihren Staatsunternehmen die Boni ab. Die Wirtschaftsministerin fürchtet, nun könnte es ein Gerangel um die fixen Vergütungen geben, Süddeutsche Zeitung, 25.03.2009, S. 18
aus Süddeutsche Zeitung, 25.03.2009, Ausgabe Deutschland, Bayern, München, S. 18

(8.) Jüngermann, Ralf, Kein Gesetz für Managergehälter, Rheinische Post, 07.04.2009
aus Rheinische Post Nr. vom 07.04.2009

(9.) Baumann, Birgit, Deutsche-Bank-Chef ruft Manager zu Verzicht auf, Der Standard, 07.04.2009, S. 15
aus "Der Standard" vom 07.04.2009 Seite: 15

(10.) Dams, Jan / Anselm, Marina / Peter, Joachim, Deutsche wollen Managern ans Geld, Welt am Sonntag, Ausgabe 14 vom 05.04.2009, S. 26
aus "Der Standard" vom 07.04.2009 Seite: 15

(11.) Hönighaus, Reinhard, EU scheut verbindliche Boni-Regeln / Kommission empfiehlt schärfere Gehälterkontrolle, Financial Times Deutschland, 14.04.2009, S. 1
aus Financial Times Deutschland vom 14.04.2009, Seite 1

(12.) Herden, Ingrid, Ende des Klüngels / Aufsichtsräte Die Krise erreicht die Kontrolleure, vor allem Multi-Mandatsträger stehen in der Kritik. Nun will die Große Koalition den Unternehmensaufsehern mehr Einsatz und höhere Haftung abfordern. Das dürfte den Kehraus der alten Garde verstärken, Capital, 01.04.2009, S. 108-112
aus Capital vom 01.04.2009, Seite 108-112

(13.) Mulke, Wolfgang, "Wer das Netz hat / Dass Noch-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auf einer Abfindung bestehen kann, lastet Bahn-Experte Markus Wacket dem Bund an, der erst vor einem Jahr den Vertrag verlängert hatte. Von Nachfolger Rüdiger Grube erwartet er kaum Veränderung, hat die Macht", taz, 14.04.2009, S. 8
aus taz, 14.04.2009, S. 8

(14.) Wüpper, Thomas, Mehdorn soll auf Millionen verzichten / Vertrag läuft bis zum Jahr 2011 - Gespräche laufen - Auszahlung von Pensionsansprüchen?, Stuttgarter Zeitung, 09.04.2009, S. 14
aus Stuttgarter Zeitung, 09.04.2009, S. 14

Autor GENIOS WirtschaftsWissen: S.Kneer
Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 04/2009 vom 23.04.2009
Dokumentnummer: c_wipol_20090423

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