Analogkäse und Gelschinken - Die Ernährungsindustrie unter Druck

STRATEGIE | GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 11/2009 vom 09.11.2009


Lebensmittelimitate sind keine Neuheit

Lebensmittelimitate sind keine Neuheit. Es gibt sie bereits seit 30 Jahren, den Anfang machte die USA. In Deutschland werden ca. 20 000 Tonnen Käseimitate pro Jahr produziert. Die Vorteile von Analogkäse sind die preiswerten Rohstoffe, die kurzen Produktionszeiten und eine höhere Hitzebeständigkeit. Aber nicht nur der Käse wird kopiert. Imitate finden sich auch bei Garnelen, Kuhmilch und Erdbeeren. Anstatt frischer Produkte werden Fischeiweiß, Pflanzenfett und Aromastoffe verwendet. Auch beim Schinken gibt es Imitate, deren Fleischgehalt zwischen 50 bis 65 Prozent liegt. Gesetzlich vorgeschrieben sind allerdings 95 Prozent. Verständlicherweise sind die Verbraucher jetzt stark verunsichert und auch die Verbraucherschützer warnen: Lebensmittel müssen eindeutig gekennzeichnet sein. (1), (2)
Lebensmittel auf dem Prüfstand - wie leicht der Verbraucher zu täuschen ist

Verbraucherschützer und Politiker sind sich einig: Nahrungsmittel müssen besser gekennzeichnet werden. Wie schnell der Verbraucher aber getäuscht werden kann zeigt sich beim Einkauf. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Billigprodukten und Markenprodukten. Das Rahmschnitzel besteht aus Formfleisch, der Schaf(misch)käse aus Magermilch und Pflanzenöl in Salzlake oder der Vanilletraum aus einem Milchmischgetränk mit Betacarotin und Aroma, aber ohne echte Vanille. Viele Produkte enthalten ausschließlich Geschmacksaromen die zum Beispiel den Zitronengeschmack erzeugen, aber keine echten Zitronen enthalten. Um sich zu schützen, soll der Verbraucher die Zutatenliste genau lesen, denn die Reihenfolge der jeweiligen Zutaten lässt Rückschlüsse auf den Anteil der jeweiligen Zutat zu. Ein Hinweis sind auch die E-Nummern auf den Produkten. Dabei gilt: Je mehr Nummern, desto intensiver wurde das Produkt verarbeitet. (3)

Mehr Transparenz durch stärkeren Verbraucherschutz

Lebensmittelimitate verkaufen sich unter anderem so gut, weil kaum ein Verbraucher weiß, was sich wirklich hinter den Bezeichnungen versteckt. Viele fordern deswegen einen starken Verbraucherschutz, der kontrolliert, aufdeckt und gegebenenfalls Sünder veröffentlicht. Immer mehr Nahrungsmittelhersteller sparen bei den Zutaten damit die Preise niedrig bleiben. Erleichtert wird ihnen dies durch die laxe Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln. Ein klassisches Bespiel hierfür ist der Erdbeer-Yoghurt, der natürliche Aromastoffe" enthält, aber keine einzige Erdbeere. Dies sollte dann auch so auf der Verpackung vermerkt sein. Das kann allerdings nur der Gesetzgeber durchsetzen. Die Nahrungsmittelkonzerne lehnen dies bereits seit Jahren ab. Helfen kann hier nur ein starker Verbraucherschutz, der sich für die Kunden einsetzt. (4)


Trends Ökofood auf dem Vormarsch Der Verbraucher möchte grundsätzlich gesunde und hochwertige Lebensmittel. Wie die letzten Lebensmittelskandale um Analogkäse oder Gelschinken zeigen, ist dies nicht immer der Fall. Wenn der Kunde beim Lebensmittelkauf auf Nummer sicher gehen will setzt er auf Bio-Produkte. Bio-Produkte decken wie kein anderes Lebensmittel die hohen Verbrauchererwartungen an frische, gesunde und geschmackvolle Produkte ab, die zudem nachhaltig produziert werden. So sind nach wie vor Frische und Regionalität beim Verbraucher sehr gefragt. Der Bio-Markt wächst weiter und das trotz Wirtschaftskrise. Darin sind sich sowohl Bio-Hersteller, wie Branchenexperten einig. (5) Nanotechnologie hält Einzug in der Lebensmittelbranche Wirtschaftsexperten sind sich einig: die Nanotechnologie wird in absehbarer Zukunft in der Lebensmittelbranche ihre Einsatzbereiche finden. Länder wie die USA, Japan und China sind in diesem Bereich bereits führend und haben die meisten Patente angemeldet. Doch was kann die Nanotechnologie? Nanomaterialien können die Stabilität und Lebensdauer von Lebensmitteln verbessern und auch optische Eigenschaften, wie Geschmack oder Konsistenz beeinflussen. Bereits jetzt werden sie zum Beispiel im Nano-Grüntee verwendet. Dadurch erhofft man sich eine Steigerung der antioxidativen Wirkung. Ein weiteres Beispiel sind die Nahrungsergänzungsmittel, wie zusätzliche Vitamine oder Mineralien. Diese bergen allerdings die Gefahr einer Überdosierung, denn der tägliche Bedarf eines Menschen an Mineralien darf nicht überschritten werden. (6)Revolution in der Küche Das Konservieren von Obst und Gemüse wird nach den vielen Lebensmittelskandalen und der Verunsicherung der Verbraucher immer mehr zum Trend. Was früher nur die Oma machte, findet jetzt wieder Einzug in die Familien. Immerhin sind so Herkunft und Verarbeitung der Lebensmittel eindeutig nachvollziehbar. Ein weiterer Trend unter Jugendlichen ist die Neuentdeckung der Bowle. Produkte aus der eigenen Küche werden wieder wertgeschätzt, Erfahrungen aus Großmutters Zeiten werden gerne von jungen Frauen angenommen. So könnte sich langsam aber sicher eine gesunde Ernährungsweise durchsetzen. (7) Trends


Ökofood auf dem Vormarsch

Der Verbraucher möchte grundsätzlich gesunde und hochwertige Lebensmittel. Wie die letzten Lebensmittelskandale um Analogkäse oder Gelschinken zeigen, ist dies nicht immer der Fall. Wenn der Kunde beim Lebensmittelkauf auf Nummer sicher gehen will setzt er auf Bio-Produkte. Bio-Produkte decken wie kein anderes Lebensmittel die hohen Verbrauchererwartungen an frische, gesunde und geschmackvolle Produkte ab, die zudem nachhaltig produziert werden. So sind nach wie vor Frische und Regionalität beim Verbraucher sehr gefragt. Der Bio-Markt wächst weiter und das trotz Wirtschaftskrise. Darin sind sich sowohl Bio-Hersteller, wie Branchenexperten einig. (5)

Nanotechnologie hält Einzug in der Lebensmittelbranche

Wirtschaftsexperten sind sich einig: die Nanotechnologie wird in absehbarer Zukunft in der Lebensmittelbranche ihre Einsatzbereiche finden. Länder wie die USA, Japan und China sind in diesem Bereich bereits führend und haben die meisten Patente angemeldet. Doch was kann die Nanotechnologie? Nanomaterialien können die Stabilität und Lebensdauer von Lebensmitteln verbessern und auch optische Eigenschaften, wie Geschmack oder Konsistenz beeinflussen. Bereits jetzt werden sie zum Beispiel im Nano-Grüntee verwendet. Dadurch erhofft man sich eine Steigerung der antioxidativen Wirkung. Ein weiteres Beispiel sind die Nahrungsergänzungsmittel, wie zusätzliche Vitamine oder Mineralien. Diese bergen allerdings die Gefahr einer Überdosierung, denn der tägliche Bedarf eines Menschen an Mineralien darf nicht überschritten werden. (6)
Revolution in der Küche

Das Konservieren von Obst und Gemüse wird nach den vielen Lebensmittelskandalen und der Verunsicherung der Verbraucher immer mehr zum Trend. Was früher nur die Oma machte, findet jetzt wieder Einzug in die Familien. Immerhin sind so Herkunft und Verarbeitung der Lebensmittel eindeutig nachvollziehbar. Ein weiterer Trend unter Jugendlichen ist die Neuentdeckung der Bowle. Produkte aus der eigenen Küche werden wieder wertgeschätzt, Erfahrungen aus Großmutters Zeiten werden gerne von jungen Frauen angenommen. So könnte sich langsam aber sicher eine gesunde Ernährungsweise durchsetzen. (7)


Fallbeispiele


EU-Länder fordern bessere Lebensmittelkennzeichnung

Die Diskussion um Lebensmittelimitate wie Analogkäse und Gelschinken betrifft inzwischen die gesamte EU. Die EU-Länder Deutschland, Österreich und Luxemburg verlangen von der EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou eine verpflichtende Kennzeichnung für Lebensmittelimitate auf EU-Ebene. Bisher gibt es noch keine verbindliche Stellungnahme seitens der Gesundheitskommissarin. Die EU appelliert aber auch an die Mitgliedstaaten selbst für eine bessere Begriffsbestimmung zu sorgen, um so weiteren Schaden in der Lebensmittelbranche zu verhindern. (8)


Pharmakonzern stellt neue Marke vor

Der Nahrungsergänzungsmittelhersteller, die Pharma Aldenhoven GmbH & Co, stellt auf der diesjährigen Messe Anuga seine neue Marke Pharmaland vor. Die Firma möchte hiermit eine Alternative zu seinen Eigenmarken bieten, die sich zudem auch bei geringeren Mengen rentieren soll. Zeitgleich wird der Online Vertrieb für Pharmaland aufgebaut. Neu ist auch die Baby-Naturkosmetik-Serie und ein Sportler-Drink. Gründer von Aldenhoven ist der Aldi-Kosmetik-Lieferant, Rudolf Giesen. (9)


Politik gegen Einführung der Ampelkennzeichnung

Die neue Schwarz-Gelbe Koalition möchte den deutschen Landwirten durch ein zweijähriges Sonderprogramm, das insgesamt 750 Millionen Euro schwer ist unter die Arme greifen. Davon entfallen alleine 500 Millionen auf Grünlandprämien. Außerdem setzt sich die neue Regierung bei der EU dafür ein, die Milchquote nicht vor 2015 zu erhöhen. Weiterhin bleibt es bei der steuerlichen Vergünstigung von Agrardiesel.
Jedoch wird es keine Ampelkennzeichnung von verpackten Lebensmitteln zur Kennzeichnung des Gehalts an Fett, Salz oder Zucker geben. Dafür soll zukünftig eine klare Kennzeichnung für Lebensmittelimitate, wie zum Beispiel für Analogkäse, eingeführt werden. (10)




Weiterführende Literatur:

(1.) Lebensmittelimitate
aus Rundschau für den Lebensmittelhandel Nr. 10 vom 01.10.2009 Seite 020

(2.) Die Geschmacksillusion
aus Der Spiegel, 12.10.2009, Nr. 42, Seite 72

(3.)Lebensmittelimitate, Originell statt original
aus Konsument Nr. 10/09 vom 01.10.2009, Seite 13

(4.)Wer mehr Transparenz will, muss den Verbraucherschutz stärken
aus Süddeutsche Zeitung Ausgabe Deutschland, Bayern, München vom 14.09.2009, Seite 17

(5.)ÖKO-FOOD WÄCHST WEITER
aus Rundschau für den Lebensmittelhandel Nr. 09 vom 01.09.2009, Seite 046

(6.) Unterstützende Molekülgröße im NanobereichNanomaterialien in Lebensmitteln - Aspekte der Lebensmittelsicherheit
aus Fleischwirtschaft 08 vom 17.08.2009 Seite 027

(7.)Zurück zu den Wurzeln
aus Rheinische Post vom 06.08.2009

(8.)Brüssel nimmt sich Analogkäse vor
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 32 vom 07.08.2009, Seite 024

(9.)Pharma Aldenhoven lanciert neue Marke
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 42 vom 16.10.2009, Seite 051

(10.)Politik gegen Einführung der Ampelkennzeichnung für Lebensmittel
aus Stuttgarter Zeitung vom 26.10.2009, Seite 6

Autor GENIOS WirtschaftsWissen: M.Dengl<b>Autor GENIOS WirtschaftsWissen: </b><b><i>M.Dengl</i></b>
Quelle: GENIOS WirtschaftsWissen Nr. 11/2009 vom 09.11.2009
Dokumentnummer: c_strategie_20091109

Dauerhafte Adresse des Dokuments: http://www.genios.de/document/GWW__c_strategie_20091109
Alle Rechte vorbehalten: © GBI-Genios, München
Besuchen Sie uns bei: Facebook Twitter Google Plus XING