RTL und ProSiebenSat.1 - die privaten Fernsehsender sparen sich in die Gewinnzone

MEDIEN & VERLAGE | GENIOS BranchenWissen Nr. 03/2010 vom 31.03.2010


RTL stabilisiert Gewinn bei sinkendem Umsatz

Die RTL Group hat 2009 dank eines strikten Sparkurses den Gewinn stabilisiert. Das Ergebnis nach Steuern stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent auf 298 Millionen Euro. Der Umsatz ist dagegen um 6,3 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro gesunken. Grund waren die wegbrechenden Werbeeinnahmen im ersten Halbjahr. Wie im Vorjahr zahlt Europas größter privater Fernsehanbieter eine Dividende von 3,70 Euro je Aktie. Dem Mutterkonzern Bertelsmann, der 90 Prozent an RTL hält, fließen entsprechend 490 Millionen Euro zu. Zur RTL-Gruppe gehören die Sender RTL, RTL II, Vox, Super-RTL und n-tv. (1), (2), (3), [Abb. 1]


Kosten runter - Marktanteil hoch

Dass die Gewinnentwicklung 2009 trotz sinkender Erlöse stabil blieb, ist vor allem auf einen strikten Sparkurs zurückzuführen. Dadurch sanken die Kosten um 371 Millionen Euro, vorgesehen waren ursprünglich nur 300 Millionen Euro. Vor allem außerhalb der Hauptsendezeit wurden die Programmkosten gekappt, allein in Deutschland um 14 Prozent. Der für die Werbeerlöse so wichtige Marktanteil bei Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren stieg um 1,5 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent. Der Hauptsender RTL kommt auf durchschnittlich 16,9 Prozent. Der Zuspruch ist vor allem Formaten wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Dr. House" zu verdanken. (1), (2), (3)


ProSiebenSat.1 leidet unter hoher Verschuldung

ProSiebenSat1, der zweite große private Fernsehsender in Deutschland, befindet sich in einer deutlich schwierigeren Lage als RTL. Die Unterföhringer sitzen auf einem Schuldenberg von 3,3 Milliarden Euro. Deswegen hat der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling dem Sender eine Rosskur verordnet. 2009 wurden 221 Millionen Euro eingespart und 484 Stellen gestrichen. Das waren fast neun Prozent der Mitarbeiter. So konnte man trotz sinkender Umsätze einen Gewinn von 144,5 Millionen Euro einfahren. Der größte Teil davon ging in die Schuldentilgung. Eine Dividende wird die Gruppe nicht ausschütten. Bei den Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren kam ProSiebenSat.1 auf einen Marktanteil von 30,1 Prozent. Unter dem Dach des Senders befinden sich neben Pro Sieben und Sat.1 noch Kabel eins, 9Live und N24. (4), (5), (6), [Abb. 2]





Fallbeispiele

RTL setzt derzeit auf Dokutainment, also eine Mischung aus Dokumentation und Unterhaltung. Erfolgreiche Formate sind zum Beispiel "Raus aus den Schulden" mit Schuldenberater Peter Zwegat, "Rach - Der Restauranttester", die Kuppelshow "Bauer sucht Frau" oder die "Supernanny" mit der Pädagogin Katharina Saalfrank. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten haben derartige Programme Konjunktur. Der Vorteil für den Sender: Im Vergleich zu den herkömmlichen Formaten verursachen die Dokutainment-Sendungen nur ein Viertel bis ein Drittel der Produktionskosten. Zudem funktionieren sie im Ausland, bei fast allen europäischen RTL-Ablegern laufen diese Sendungen mit Erfolg. (3)

Zwar sind zum Jahresende hin die Werbeeinnahmen wieder gestiegen, eine durchgreifende Erholung des Werbemarkts ist aber "allenfalls Wunschdenken". Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Bank Unicredit. Bei ProSiebenSat.1 etwa sind seit Jahresbeginn viele Werbeblöcke wieder auffallend kurz und mit Programmhinweisen gefüllt. Vorstandschef Thomas Ebeling hofft, dass "sich die Lage 2010 stabilisiert". Der Markt werde sich zwischen einem Plus von zwei Prozent und einem Minus von vier Prozent bewegen, prognostizierte er. Um von Werbeeinnahmen unabhängiger zu sein, will sich Prosieben Sat.1 breiter aufstellen. Eine neu gegründete Tochter namens Red Arrow Entertainment soll die internationale Expansion in den Bereichen Produktion, Programmvertrieb und Formatentwicklung vorantreiben. (7)

Das Problem bei ProSiebenSat1 ist der hohe Schuldenberg von 3,3 Milliarden Euro. Allein die Zinszahlungen belaufen sich auf jährlich 220 Millionen Euro. Die Schulden wurde dem Unternehmen von seinen Mehrheitsaktionären, den Finanzinvestoren KKR und Permira, aufgeladen. Auf ihr Geheiß hin hatte ProSiebenSat.1 2007 die skandinavische Senderkette SBS auf Pump gekauft. Synergien lassen sich mit SBS aber kaum erzielen. Nun muss ProSiebenSat1 sparen und sich von Randaktivitäten trennen. Verkäufe, die nicht tief in die Substanz schneiden, sind aber kaum noch möglich. Was bleibt, ist Schuldenabbau durch Gewinne aus dem operativen Geschäft. Das leidet aber unter der Werbeflaute. 2009 sanken die Verbindlichkeiten somit nur um 112 Millionen Euro. (4)

Um die Schulden abzutragen, denkt ProSiebenSat1 über einen Verkauf des Nachrichtensenders N24 nach. Denn Nachrichten sind für ProSiebenSat1 ein Verlustbringer, auf 40 Millionen Euro soll sich das Minus jährlich belaufen. Wird der Sender verkauft, verliert die Gruppe mehr als einen Prozentpunkt Marktanteil. Für die Verkaufspläne war das Management kritisiert worden. Um Kosten zu senken, verabschiede sich die TV-Gruppe von Nachrichten und damit von sozialen wie publizistischen Verpflichtungen, hieß es. Auf der Bilanzpressekonferenz im März stellte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling nun auch eine Sanierung von N24 mit anschließendem Verbleib im Konzern in Aussicht. (4)




Zahlen & Fakten


Abbildung 1: RTL Group - Konzernzahlen nach IFRS
Kennziffer20092008
In Millionen Euro
Umsatz5.4105.774
Gewinn298296
Ausschüttung541541
Cash-flow7631.065
Verschuldung789876

Quelle: Börsen-Zeitung Entnommen aus: Börsen-Zeitung vom 12.03.2010, Nummer 49 (2)
Abbildung 2: ProSiebenSat.1 - Konzernzahlen nach IFRS
Kennziffer20092008
In Millionen Euro
Umsatz2.7612.922
Gewinn145-119
Operativer Cash-flow1.4781.359
Verschuldung3.2953.407

Quelle: Börsen-Zeitung Entnommen aus: Börsen-Zeitung vom 05.03.2010, Nummer 44(5)

Weiterführende Literatur:

( 1.) RTL Group spart sich zum Erfolg - Europas größter Fernsehkonzern erzielt ein stabiles Ergebnis und zahlt Aktionär Bertelsmann eine hohe Dividende
aus

T.Trares
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 03/2010 vom 31.03.2010
Dokumentnummer: s_med_20100331

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