Erdöl - Keine Knappheit in Sicht

ENERGIE & ROHSTOFFE | GENIOS BranchenWissen Nr. 03 vom 17.03.2014


Deutschland: Förderung aus heimischen Quellen

Rund 20 000 Menschen sind in der deutschen Erdöl- und Erdgasindustrie tätig. Im vergangenen Jahr kam die Branche auf einen Gesamtumsatz von vier Milliarden Euro. 95 Prozent der Förderstätten liegen in Niedersachsen. Das größte deutsche Förderunternehmen ist Wintershall. Die Erdölförderung aus deutschen Vorkommen hat sich im Jahr 2013 nicht verändert. Sie liegt bei 2,6 Millionen Tonnen.
Die heimische Erdgasförderung hingegen war rückläufig. Im vergangenen Jahr holten die Branchenunternehmen nur noch 9,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus heimischen Quellen. Im Vorjahr hatte das Volumen noch bei 10,8 Milliarden Kubikmeter gelegen. In den letzten fünf Jahren ist die Produktion damit um etwa ein Drittel gesunken. (1), (2)

Der Absatz von Mineralölprodukten (leichtes Heizöl, schwefelarmes Heizöl, schweres Heizöl) stieg im Jahr 2013 um 1,1 Prozent auf 109,1 Millionen Tonnen, teilte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit. Der Export von Mineralölprodukten kletterte um 5,6 Prozent auf 19,7 Millionen Tonnen. Der Import erhöhte sich um 9,7 Prozent auf 35,3 Millionen Tonnen. Die Einfuhr von Rohöl sank um 3,3 Prozent auf 90,4 Millionen Tonnen. Der Grenzübergangspreis für Rohöl ging um 4,9 Prozent von 642,70 auf 611,42 Euro pro Tonne zurück. (3)


International: Angebot, Nachfrage und Preis werden steigen

Angebot:

Der Welt geht das Erdöl auf absehbare Zeit nicht aus. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens: Die weltweiten Reserven aus konventionellen Quellen, also relativ leicht zugänglichen, unterirdischen Lagerstätten, werden derzeit auf 2,6 Billionen Barrel geschätzt. Zweitens: Hinzu kommen die Reserven aus unkonventionellen Quellen wie Ölsand und Ölschiefer. Sie werden allein für die USA auf 3,3 Billionen Barrel geschätzt. An der Quantifizierung der Mengen außerhalb der USA wird noch gearbeitet. Es werden also noch viele Barrel Erdöl hinzukommen, teils auch aus Ländern, die bisher nicht als Ölanbieter auf den Plan getreten sind. Drittens: Es werden immer bessere Fördertechnologien eingesetzt.
Die OPEC-Länder produzieren 32,4 Millionen Barrel Öl pro Tag und haben damit einen Marktanteil von 44,5 Prozent. Alle anderen erdölfördernden Länder zusammen kommen auf 40,5 Millionen Barrel pro Tag und einen Marktanteil von 55,5 Prozent. Der OPEC-Golfstaat, dem der größte Anteil an konventionellen Ölreserven zugerechnet wird, ist Saudi-Arabien. Es folgen der Iran, der Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. (4), (5)

Nachfrage:

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger errechnete, dass die Ölnachfrage in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich um jeweils 1,3 Prozent pro Jahr gewachsen ist. Saudi Arabien, China und Indien, drei der fünf Länder mit dem weltweit höchsten Erdölverbrauch, steigerten ihren Bedarf von 2006 bis 2011 um 35 Prozent. Die Branchenanalysten gehen nicht davon aus, dass die Nachfrage nach Erdöl in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren schrumpfen wird. Trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien bleiben die fossilen Energieträger, allen voran das Erdöl, für die Industrialisierung der Schwellenländer von entscheidender Bedeutung. Für die EU-Staaten und Deutschland, deren Wirtschaft auf Öl basiert, gilt das ebenso. (6)

Dem aktuellen BP Energy Outlook bis 2035 zufolge weist der Ölverbrauch weltweit zwar mit nur 0,8 Prozent die geringste jährliche Wachstumsrate auf, trotzdem dürfte er 2035 den Verbrauch von 2012 um 19 Millionen Barrel pro Tag übertreffen. (7)

Preis:

Das Angebot an Öl wird in den nächsten Jahren also weiter zulegen, die Nachfrage nach Öl ebenso - und bei der Ölpreisentwicklung ist zumindest keine Trendwende in Sicht. Der Ölpreis wird voraussichtlich die Marke von 70 US-Dollar pro Barrel höchstens kurzfristig unterschreiten. Das liegt daran, dass die Förderung aus unkonventionellen Quellen viel Geld kostet. (6)



Trends

Der britische Ölkonzern BP hat im Januar 2014 seinen aktualisierten Energy Outlook vorgestellt. Die Prognose reicht nun bis zum Jahr 2035. Zusammenfasst die Ergebnisse:
Das Angebot an Energie wird reichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Antwort auf die Frage, ob dieses Angebot zuverlässig verfügbar sein wird, lautet vielleicht. Die Erreichung der Klimaziele bis 2035 ist laut BP-Prognose nicht möglich.
BP erwartet, dass die Nachfrage nach Energie um 41 Prozent zunimmt - getrieben vor allem durch China -, wenn auch mit nachlassenden Wachstumsraten.
Beim Angebot an Energie werden laut BP unkonventionelles Erdgas und Erdöl an Bedeutung gewinnen.
Der Ölverbrauch weist laut BP-Outlook weltweit zwar mit nur 0,8 Prozent die geringste jährliche Wachstumsrate auf, trotzdem dürfte er 2035 den Verbrauch von 2012 um 19 Millionen Barrel pro Tag übertreffen.
Es bleiben politische Risiken für die Energieversorgung der Welt.
Der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch wird bis 2035 global von zwei auf sieben Prozent steigen.
Die fossilen Energien haben dann immer noch einen Anteil von 81 Prozent.
Die CO2-Emissionen werden von 2012 bis 2035 um insgesamt 29 Prozent ansteigen.
Die Energieeffizienz in Produktion und Konsum nimmt zu.
Die CO2-Intensität im Energieverbrauch nimmt kaum ab, weil der Anteil von Kohle bei der Stromerzeugung in vielen Nicht-OECD-Ländern bis 2035 steigt. (8)

Fallbeispiele

Die größten westlichen Mineralölunternehmen (gemessen am Umsatz Januar bis September 2013) sind Shell (260 Milliarden Euro), Exxon (225 Milliarden Euro) und Total (128 Milliarden Euro). [Abb. 1] (9)

Die britische Royal Dutch Shell erzielte 2013 deutlich weniger Gewinn als im Vorjahr. Als Gründe wurden die schwache Weltkonjunktur, gesunkene Importe und Überkapazitäten im Raffineriegeschäft genannt, mit denen die gesamte Branche konfrontiert ist. Zudem gab es Schwierigkeiten im Afrikageschäft in Nigeria. Daher will Shell erst einmal weniger in neue Projekte investieren. (10)

Der US-amerikanische Öl- und Gaskonzern Exxon Mobil verzeichnete im vergangenen Jahr Einbußen beim Umsatz (322,9 Milliarden Euro) und beim Gewinn (rund 24 Milliarden Euro); die Öl- und Gasförderung ging zurück. Das Unternehmen will in den nächsten zwei Jahren neue Öl- und Gasvorkommen erschließen und das Raffinerie- und Chemie-Geschäft stärken. (11)

Der französische Ölkonzern Total will Öl und Gas aus Schiefergestein in Großbritannien suchen und fördern. (12)

Der deutsche Energieversorger Eon kauft dem finnischen Versorger Fortum seinen 30prozentigen Anteil an einem Ölkraftwerk in Südschweden ab, dessen alleiniger Eigentümer er damit wird. (13)

Das norwegische Ölministerium hat an 48 Unternehmen 65 neue Förderlizenzen in der Nordsee, in der Norwegischen See und in der Barentssee vergeben. Damit erreichte die Zahl der neu vergebenen Genehmigungen zur Öl- und Gasförderung vor der norwegischen Küste einen neuen Höchstwert. Von deutscher Seite bekamen mehrere Unternehmen Lizenzen, in denen sie zugleich die Betriebsführerschaft übernehmen: Bayerngas, Eon, VNG und Wintershall. (14)

Fracking-Boom in Texas: Texas wird dank Förderung von Öl und Gas via Fracking 2014 Länder wie Venezuela, Kuwait und den Irak als Ölproduzent überholen. Laut IHS hat die tägliche Ölproduktion in den vergangenen 12 Monaten in Texas um 37 Prozent zugenommen. (15)




Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Top 3 Mineralölunternehmen nach Umsatz 2012-2013
Umsatz *Gewinn *Erdölproduktion pro Tag
20122013201220132012 **Veränderung
RangUnternehmenin Milliarden Euroin Mio. Barrelin Prozent
1Shell27226015,611,11,49-0,05
2Exxon24922527,318,42,19-0,12
2Total1371288,36,81,22-0,01
* Jeweils neun Monate.
** Durchschnitt.

Quelle: Unternehmen, Bloomberg, Opec Entnommen aus: Handelsblatt, 01.10.2013, S. 17 (9)

Weiterführende Literatur:

(1.) WEG fordert klare Gesetzgebung
aus energate vom 26.02.2014

(2.) Abwärtstrend bei der Gasförderung
aus www.powernews.org Meldung vom 26.02.2014 - 17:57

(3.) Mineralölabsatz ist im Jahr 2013 gestiegen
aus energate vom 25.02.2014

(4.) International: Produktion von Erdöl
aus Handelsblatt, 05.12.2013, S. 15

(5.) OPEC-Golfstaaten: Ölreserven 2013
aus DIW-Wochenbericht, 45/2013, S. 4

(6.) Erdöl wird so schnell nicht knapp
aus WIRTSCHAFTS-INFORMATIONS-DIENST ENERGIE vom 03.Dezember 2013

(7.) BP: Fossile Energien bleiben dominant
aus www.powernews.org Meldung vom 17.01.2014 - 15:32

(8.) energate-Hintergrund: Der BP-Energy-Outlook für 2035
aus energate vom 16.01.2014

(9.) International: Umsatz, Gewinn und Erdölproduktion der Top 3 Mineralölunternehmen 2012-2013
aus Handelsblatt, 01.10.2013, S. 17

(10.) Gewinneinbruch bei Shell
aus energate vom 30.01.2014

(11.) Exxon Mobil mit Gewinneinbruch
aus energate vom 31.01.2014

(12.) Total will britisches Schiefergas fördern
aus www.powernews.org Meldung vom 15.01.2014 - 12:12

(13.) Eon kauft Anteile an schwedischem Ölkraftwerk
aus energate vom 30.01.2014

(14.) Norwegen vergibt 65 neue Förderlizenzen
aus energate vom 27.01.2014

(15.) Fracking-Bonanza für deutsche Firmen
aus manager-magazin.de vom 03.01.2014

Anja Schneider
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 03 vom 17.03.2014
Dokumentnummer: s_ene_20140317

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