Autovermieter - ein Oligopol beherrscht den Markt

AUTOMOBIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 06 vom 22.06.2012


Oligopol auf dem Mietwagenmarkt

Die Autovermieter konnten im letzten Jahr ihre Kennzahlen wieder verbessern und die Prognosen deuten auf weiteres Wachstum hin. Den internationalen Markt für Autovermietungen beherrschen Sixt, Europcar, Avis und Hertz, die 2011 in Summe die durchschnittliche Fahrzeuganzahl ihrer Flotte bei einer insgesamt stabilen Anzahl der Vermietstationen erhöhten. In Deutschland stehen diese für mehr als vier Fünftel des gut 2,5 Milliarden Euro schweren Marktes. In Westeuropa kommt das Quartett auf einen Marktanteil von fast zwei Drittel. Das Marktvolumens liegt hier bei mehr als acht Milliarden Euro. Ihr Geld verdienen die großen Mietwagenhäuser vor allem mit Firmenkunden, die in Deutschland gut 60 Prozent der Aktivitäten ausmachen. Kleine, lokale Anbieter haben aufgrund ihrer schwachen Kapitaldecke immer größere Schwierigkeiten, sich im Markt zu behaupten. Laut dem Bundesverband der Autovermieter sind - inklusive Autohäuser und Reparaturbetriebe - rund 8 000 Unternehmen im deutschen Markt für Autovermietung tätig. (1), (8), [Abb. 1]


Der deutsche Marktführer Sixt

Europaweit auf einem aggressiven Expansionskurs befindet sich Deutschlands größter Autovermieter Sixt, hierzulande hat Sixt im letzten Jahr allerdings die Anzahl der Vermietstationen von 510 im Jahr 2010 auf 485 in 2011 reduziert. In spätestens vier Jahren will Firmenchef und Großaktionär Erich Sixt sein Unternehmen zur Nummer eins in Europa machen. Dies ist ein ambitioniertes Ziel, denn gegenwärtig liegen die Münchner mit einem Marktanteil von neun Prozent auf Platz vier, hinter Europcar, Avis und Hertz. Die Eurokrise will Sixt zur Expansion in den südlichen Ländern nutzen. Auch den US-Markt hat der Autovermieter im Visier. In Florida ist man seit dem vergangenen Jahr engagiert. Wirtschaftlich war 2011 ein erfolgreiches Jahr. Mit 98 Millionen Euro hat Sixt einen Rekordgewinn erzielt bei einem Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Euro. (1),(8), [Abb. 2]


Europas Nummer eins Europcar

Branchenprimus in Europa ist mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent die Europcar-Gruppe, die 2011 über 579 Präsenzen verfügte. Allerdings ist das Unternehmen für den Konkurrenzkampf nicht gut gerüstet. Die Franzosen drücken Nettoschulden von fast drei Milliarden Euro. Der französische Finanzinvestor Eurazeo hatte Europcar vor sechs Jahren für 3,3 Milliarden Euro von Volkswagen erworben und danach die Verbindlichkeiten dem Autovermieter aufgebürdet. Zudem wurde Europcar das Europa-Geschäft des US-Autovermieters Vanguard zugeschlagen, das Eurazeo ebenfalls fremdfinanziert übernommen hatte. Seither verbucht Europcar hohe Mittelabflüsse, um die Verbindlichkeiten und Zinsen zu tilgen. 2011 stagnierten die Erlöse bei gut zwei Milliarden Euro bei einem vermutlich hohen Nettoverlust. (1), (8)



Trends


Die Großen setzen auf Carsharing und nachhaltige Mobilität

Die großen Mietwagenfirmen setzen zunehmend auf Carsharing. Dabei greifen sie den Trend auf, dass insbesondere in Großstädten viele Bürger das Auto nicht mehr besitzen, sondern nur noch nutzen wollen. So kooperiert Europcar mit Car2Go, der Carsharing-Tochter von Daimler. Standorte gibt es in Hamburg, Ulm, Berlin und Düsseldorf sowie europaweit in Lyon, Amsterdam und Wien. Auch der US-Markt ist im Visier der beiden Firmen. Ferner arbeitet Sixt mit BMW unter dem Namen "DriveNow" zusammen. Entdeckt hat man dabei auch das Geschäft mit den Mitfahrgelegenheiten. DriveNow kooperiert künftig mit der Mitfahrzentrale Flinc. Hertz setzt mit seinem Carsharing-Angebot "Hertz on Demand" künftig vermehrt auf Elektromobilität und kooperiert hier mit dem skandinavischen E-Carsharing-Anbieter Move About. Mit der "Hertz Green Collection" sollen künftig vermehrt besonders schadstoffarme und kraftstoffsparende Fahrzeuge bereitgestellt werden und auch Europcar erhöht das Engagement im Bereich der Elektromobilität. (3), (7), (8)


Kleiner Autovermieter müssen kooperieren

Der harte Wettbewerb zwingt kleinere Autovermieter zu Kooperationen, damit sie mit den Marktführern Schritt halten können. So tritt beispielsweise die Europa Service Autovermietung AG inzwischen als Lizenzgeber, Einkaufsorganisation und Dienstleister für mehr als 300 unabhängige Autovermieter auf. Diese verfügen insgesamt schon über mehr als 600 Vermietstationen. (8)



Fallbeispiele


Europcar am beliebtesten

Die beliebteste Mietwagen-Marke in Deutschland ist Europcar. Dies ergab eine Analyse auf Basis des BrandIndex des Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGov. Demnach hat Europcar mit einem Wert von plus 60 Punkten die Nase vorn. Allerdings ist der Abstand zum Zweitplatzierten Sixt geschrumpft, der auf einen Wert von plus 56 Punkten kommt. Auf Platz drei liegt Hertz mit plus 53 Punkten. Avis ist mit plus 39 Punkten zwar abgeschlagen, wird aber dennoch überwiegend positiv wahrgenommen. (2)

Europcar hat seit März 2012 wieder eine neue Führungsspitze. Nachfolger des bisherigen CEO Philippe Guillemot ist Roland Keppler. Um die Finanzen kümmert sich nun Caroline Parot, die Claire Giraut abgelöst hat. Erst vor zwei Jahren hatte der Eigentümer Eurazeo das Management ausgetauscht. Der Finanzinvestor ist offenbar mit der Entwicklung unzufrieden. Eurazeo will Europcar irgendwann verkaufen. Angesichts der schwachen Konzernzahlen kann dies jedoch noch dauern. Es wird aber auch gemutmaßt, dass Eurazeo vorzeitig aussteigen könnte. (1)


Sixt holt auf

Sixt hat 2011 einen Rekordergebnis erzielt. Der Gewinn kletterte um 37,8 Prozent auf 97,5 Millionen Euro. Sixt profitierte dabei von der wachsenden Zahl Geschäftsreisender, stabilen Vermietpreisen und guten Auslandsgeschäften. Für das laufende Jahr sind die Erwartungen gedämpft. Grund sind die Eurokrise und die schwächelnde Konjunktur in Europa. Zudem belasten Anlaufkosten für den Ausbau des US-Geschäfts und steigende Fuhrparkkosten. Im ersten Quartal ist das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr bereits geschrumpft. (5), (6), [Abb. 2]

Sixt will die Schuldenkrise in Europa für Zukäufe nutzen. "Für uns ist die Europa-Krise, zynisch gesprochen, nicht von Nachteil. Wenn zum Beispiel in Spanien ein größeres Vermietersterben beginnt oder in Frankreich oder in Großbritannien, dann stünden wir bereit", sagte Firmenchef Erich Sixt. Bis 2015 soll der Vermietumsatz in Europa bei 1,5 Milliarden Euro liegen, 2011 waren es 896 Millionen. (4)

Seit Mitte 2011 ist Sixt in dem US-Bundesstaat Florida aktiv. Firmenchef Erich Sixt sprach von einer überraschend positiven Entwicklung. Die Nachfrage liege über den Erwartungen. 2020 will man mit Franchise-Partnern in den USA auch in der Fläche präsent sein. Bei der USA handelt es sich mit einem Marktvolumen von fast 22 Milliarden Dollar um den weltweit größten Autovermietmarkt. (5)




Zahlen & Fakten


Abbildung 1: Die größten Autovermieter in Deutschland und Westeuropa
AutovermieterMarkanteile 2010 in %
DeutschlandWesteuropa
Sixt329
Europcar2720
Avis Europe1316
Hertz1116
Sonstige1739
Marktvolumen/Mrd. Euro2,58

Quelle: Sixt, Börsen-Zeitung Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 25.04.2012, Nummer 80, Seite 12 (1)
Abbildung 2: Sixt - Konzernzahlen nach IFRS
in Mill. Euro20112010
Umsatz1.5641.538
Ergebnis vor Steuern139102
Nettoergebnis9871
Finanzschulden1.1731.147
Eigenkapital596541
Eigenkapitalquote (%)2624

Quelle: Sixt Entnommen aus: Börsen-Zeitung, 16.03.2012, Nummer 54, Seite 13 (5)

Weiterführende Literatur:

(1.) Duell zwischen Sixt und Europcar - Bayern bedrängen Franzosen mit Expansionsstrategie - Branchenprimus leidet unter hohen Schulden
aus Börsen-Zeitung, 25.04.2012, Nummer 80, Seite 12

(2.) BrandIndex - Kopf-an-Kopf-Rennen der Autovermieter
aus WirtschaftsWoche online vom 2012-06-04

(3.) Mietkonzept Car2go erobert USA - Neue Mobilitätsidee auf Erfolgskurs. Smarts von Hamburger Europcar gibt es jetzt auch in Washington
aus Hamburger Abendblatt, 27.03.2012, Nr. 74, S. 23

(4.) Autovermieter will Krisenopfer kaufen
aus Euro am Sonntag, 02.06.2012, Nr. 22, S. 24

(5.) Sixt im Jubiläumsjahr ohne Rekordgewinn - Euro-Krise und Anlaufkosten für Ausbau des US-Geschäfts dämpfen Ergebnisausblick - Höhere Dividende
aus Börsen-Zeitung, 16.03.2012, Nummer 54, Seite 13

(6.) Sixt-Gewinn schrumpft um ein Fünftel
aus manager-magazin.de vom 22.05.2012

(7.) Kooperation mit Move About
aus AUTOFLOTTE, Heft 4/2012, S. 16

(8.) Konsolidierung & Wandel
aus AUTOHAUS, Heft 08/2012, S. 16-17

Thomas Trares
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 06 vom 22.06.2012
Dokumentnummer: s_aut_20120622

Dauerhafte Adresse des Dokuments: http://www.genios.de/document/BRAW__s_aut_20120622
Alle Rechte vorbehalten: © GBI-Genios, München
Besuchen Sie uns bei: Facebook Twitter Google Plus XING