Caravaning-Markt - Wohnwagen und Reisemobile auf Talfahrt

AUTOMOBIL | GENIOS BranchenWissen Nr. 09/2009 vom 21.09.2009


Wohnwagenhersteller auf abschüssiger Piste

Das Geschäft der 40 deutschen Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen ist im Zuge der Finanzkrise regelrecht eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2009 fielen die Umsätze mit zweistelligen Prozentraten. Die Zahl der Neuzulassungen ging von Januar bis Juni um rund ein Viertel zurück. Da die Hersteller auch noch ihre Lager abbauten, hat sich die Produktion sogar fast halbiert. Nur noch knapp 33 000 Fahrzeuge sind im ersten Halbjahr aus den Werkshallen gerollt. Die niederbayerische Knaus-Tabbert GmbH musste im Oktober 2008 Insolvenz anmelden, woraufhin die niederländische Investorengruppe HTP Investments BV bei dem Unternehmen eingestiegen ist. Aufgeben musste bislang aber nur Seitz Tikro aus dem schwäbischen Aspach. Der Caravaning Industrie Verband (CIVD) bezeichnete das Geschäft im laufenden Jahr als sehr verhalten. (1), (2), (6)


Branchenumfeld dennoch positiv

Zwar ist das Geschäft der Caravaning-Branche zuletzt unter die Räder gekommen, gleichwohl aber sind die Rahmenbedingungen günstig. Denn das Interesse an der Branche ist groß. Der Caravaningtourismus boomt. In diesem Sommer wurden viele Reisemobile gemietet, die Campingplätze sind so gut besucht wie lange nicht. Auch der Caravan Salon in Düsseldorf, die weltgrößte Messe für Reisemobile und Wohnwagen, lockte in diesem Jahr mehr als 161 000 Besucher an, dies waren 3 000 mehr als 2008. Fast die Hälfte der Besucher kam mit konkreten Kaufabsichten. Die Branche hofft nun, dass sich das Geschäft im zweiten Halbjahr stabilisiert. Im Zuge der konjunkturellen Erholung soll es ab Mitte 2010 dann wieder ein "verhaltenes Wachstum" geben. (4), (5), (6)





Fallbeispiele

Marktführer Hymer, der auf teure Reisemobile spezialisiert ist, hat Kurzarbeit angemeldet und die Produktion zurückgefahren. Das Unternehmen aus Bad Waldsee will womöglich Personal abbauen. Die Umstrukturierungen werde aber erst im Geschäftsjahr 2009/10, das zum 31. August endet, greifen. In den ersten neun Monaten 2008/09 brach der Umsatz um 27 Prozent auf knapp 520 Millionen Euro ein. Dies lag vor allem an der rückläufigen Auslandsnachfrage, die 65 Prozent des Geschäfts ausmacht. In Deutschland ist der Umsatz moderater zurückgegangen. Der Absatz fiel bei den Reisemobilen um ein gutes Drittel auf 9 430 und bei den Caravans um rund ein Viertel auf 6 200. Hymer beschäftigt zurzeit mehr als 3 000 Mitarbeiter. (1)

Bereits im Oktober 2008 musste die in Niederbayern ansässige Knaus Tabbert GmbH Insolvenz anmelden. Zum Jahreswechsel stieg der auf Sanierungsfälle spezialisierte niederländische Finanzinvestor HTP Investments ein und brachte frisches Kapital mit. Seit März laufen die Produktionsbänder an den beiden deutschen Standorten in Sinntal-Mottgers (Hessen) und Jandelsbrunn (Niederbayern) wieder. 650 Arbeitsplätze wurden erhalten. Konzentration auf das Wesentliche lautet nun die Devise: Im Geschäftsjahr 2009/10 sollen noch 8 500 Fahrzeuge produziert werden. Vor der Insolvenz beschäftigte Knaus Tabbert rund 1 600 Mitarbeiter und erzielte mit 18 000 verkauften Fahrzeugen einen Umsatz von über 330 Millionen Euro. (1)

Der Wohnwagen- und Wohnmobilhersteller Bürstner aus Kehl am Rhein weist nach zehn Jahren Wachstum erstmals einen Verlust aus, dessen Höhe allerdings nicht publiziert wurde. Im Geschäftsjahr 2008/09, das am 31. Mai endete, fiel der Absatz bei den Reisemobilen um 2 000 auf 4 600 Einheiten und bei den Wohnwagen um 1 600 auf 3 500 Einheiten. Seit Jahresbeginn fährt die Tochter des Marktführers Hymer einen Sparkurs: Leiharbeiter wurden nicht weiterbeschäftigt, befristete Verträge nicht verlängert und frei werdende Stellen nicht besetzt. Das Unternehmen hat bereits 140 Beschäftigte weniger. Rund 900 Stellen bleiben an den Standorten Kehl und Wissembourg im Elsass. Wir werden nur noch auftragsbezogen produzieren, sagte Bürstner-Geschäftsführer Klaus-Peter Bolz. Die Serien werden kleiner und insgesamt etwa auf dem derzeitigen Niveau verharren. Ganz eingestellt wird die Herstellung von Mobilheimen, bislang waren das etwa 250 Stück. (2)

Bei Hobby aus Fockbek in Schleswig Holstein ist im Reisemobilbereich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 40 bis 50 Prozent gesunken. Das Standbein ist allerdings das Geschäft mit den Wohnwägen, wo der Umsatzrückgang weniger dramatisch ausgefallen ist. Vor der Krise erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 300 Millionen Euro. Hobby hat bereits das Personal reduziert und sich von Leiharbeitern getrennt. 1 100 Mitarbeiter arbeiten dort noch, 2007 waren es 1 250. (1)




Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten


Im ersten Halbjahr 2009 ist die Zahl der Neuzulassungen bei Reisemobilen gegenüber dem Vorjahr um 19,1 Prozent auf knapp 12 000 Fahrzeuge eingebrochen. Bei den Caravans gingen die Zulassungszahlen um 11,9 Prozent auf 10 633 zurück. Die gesamte Produktion fiel von Januar bis Juni um 42 Prozent auf 32 796 Fahrzeuge. (1)

Nach Angaben der Caravaning Industrie-Verbandes (CIVD) ist im Jahr 2008 der Umsatz in der Branche einschließlich Gebrauchtfahrzeugen und Zubehör um 6,5 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gefallen. Anfang 2009 waren in Deutschland 550 000 Wohnwagen und 326 000 Reisemobile gemeldet, etwa so viel wie im Vorjahr. Seit 2007 werden mehr Wohnmobile als Wohnwagen verkauft. Die deutschen Hersteller sind die größten Exporteure Europas. Wichtigster Absatzmarkt sind die Niederlande. (2)

Auch der europäische Reisemobil- und Wohnwagenmarkt befindet sich im Sinkflug. In den ersten drei Monaten 2009 wurden mit 35 533 Freizeitfahrzeugen 28,6 Prozent weniger Einheiten neu zugelassen als im Vorjahr. Der Wohnwagenabsatz schrumpfte um 32,2 Prozent, bei den Reisemobilen gab es ein Minus von 24,2 Prozent. Als Grund nannte der Herstellerverband European Caravan Federation (ECF) die europaweit schwache Konjunktur. (3)

Die Gesamtzahl der deutschen Freizeitfahrzeuge schätzt der Branchenverband CIVD auf knapp 1,9 Millionen. Hinzu kommen die rund 400 000 Wohnwagen, die das ganze Jahr über fest auf Campingplätzen stehen. (6)



Weiterführende Literatur:

(1.) Caravaning-Branche speckt ab - Hymer, Hobby und Knaus Tabbert: Die großen Drei im Markt für Freizeitfahrzeuge sind tief in die Krise gerutscht
aus Handelsblatt Nr. 165 vom 28.08.09 Seite 16

(2.) Beim Wohnmobilhersteller Bürstner bricht der Absatz ein - Kehler Unternehmen wird im laufenden Jahr in die Verlustzone rutschen - Rabattschlacht soll beendet werden
aus Stuttgarter Zeitung, 06.06.2009, S. 17

(3.)Europäischer Reisemobilmarkt im Minus
aus MOTOR-INFORMATIONS-DIENST vom 02.06.2009

(4.) Weniger Modelle, mehr Qualität - LMC geht mit neuen Ideen ins Rennen um die Caravaner
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2009, Nr. 107, S. T4

(5.) Mehr Besucher auf dem "Caravan-Salon"
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2009, Nr. 207, S. 21

(6.) Mit Männerträumen gegen die Krise - Campingwagenhersteller fürchten eine Absatzflaute. Auf dem Caravan Salon soll nun ein Wohnmobil mit Zapfhahn und Kickertisch Kunden locken
aus DIE WELT, 27.08.2009, Nr. 199, S. 14

Autor GENIOS BranchenWissen: T.Trares<b>Autor GENIOS BranchenWissen: </b><b><i>T.Trares</i></b>
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 09/2009 vom 21.09.2009
Dokumentnummer: s_aut_20090921

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