Leuchtdioden - eine Branche vor dem Boom

IT, ELEKTRONIK, TELEKOMMUNIKATION | GENIOS BranchenWissen Nr. 03/2007 vom 21.03.2007

Beitrag

Das Thema Energiesparen steht wie nie zuvor im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Leuchtdioden könnten davon profitieren und als energiesparende Beleuchtungsquelle in naher Zukunft die Glühbirne verdrängen.


Dramatischer Klimawandel

Eine weltweite Klimaerwärmung von bis zu 6,4° Celsius, überschwemmte Küsten und verdorrte Landschaften der Weltklimaschutzbericht der Vereinten Nationen, jüngst in Paris vorgestellt, zeichnet ein düsteres Zukunftsszenario. Wissenschaftler und Politiker sind sich einig, nur eine umgehende Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes kann die Katastrophe verhindern.
Australien reagierte daraufhin prompt und beschloss, den Verkauf von Glühbirnen schrittweise bis 2010 zu verbieten. Stattdessen sollen künftig energiesparende Lampen australische Haushalte erhellen.


Leuchtdioden-Lampe als möglicher Ersatz

Als ein möglicher Ersatz für die konventionelle Glühbirne gilt die Leuchtdioden-Lampe (LED-Lampe). Wie der Name bereits impliziert, kommt bei dieser eine Diode zum Einsatz, die elektrische Energie in Licht umwandelt.
Erfunden wurde die Leuchtdiode vor über vierzig Jahren. Sie verfügt über die Eigenschaft, je nach verwendetem Material und entsprechender Dotierung, in den verschiedensten Farben zu leuchten. Weiße Leuchtdioden sind seit etwa zehn Jahren auf dem Markt.
Der ökologische Vorteil der LED-Lampe gegenüber der herkömmlichen Glühbirne liegt in ihrer Energiebilanz. Denn während Glühbirnen gerade einmal fünf Prozent ihres Energieverbrauchs in Licht umwandeln und den Rest als Wärme an die Umwelt abgeben, sind LED-Lampen wesentlich effizienter. Farbige LED erreichen eine Lichtausbeute von bis zu 65 Lumen pro eingeflossenem Watt. Weiße LED kommen auf einen Wert von 32 bis 40 Lumen/Watt (lm/W). Damit ist die weiße LED ähnlich effizient wie eine Energiesparlampe. Nur im Gegensatz zu dieser räumen Experten ihr das Potenzial ein, in den kommenden Jahren die Leistungsbilanz deutlich zu erhöhen, wenn nicht sogar zu verdoppeln. (1), (3)
Darüber hinaus bringt die LED-Lampe weitere Vorteile mit sich: Sie ist klein. Sie hält mit bis zu 50 000 Stunden Betriebszeit um ein Vielfaches länger als eine Energiesparlampe oder eine Glühbirne und sie ist mannigfaltig verwendbar. So befinden sich LED-Lampen bereits heute im Handy-Display, in Autobremslichtern oder in Ampelanlagen. (1), (2)


Nachteile der LED-Lampe

Dennoch dürfte es noch einige Zeit dauern bis die LED-Lampe im Alltagsgebrauch das Erbe von Thomas Edison antreten kann. Noch fehlt es an massenhaft hergestellten LED-Lampen für den tagtäglichen Gebrauch im Haushalt. Darüber hinaus sind die Anschaffungskosten für eine LED-Lampe weitaus höher als für eine konventionelle Glühbirne. Eine weiße LED-Lampe kostet bis zu 12 Euro. Auch wenn die Anschaffungskosten sich im Verlauf der Zeit durch den geringen Stromverbrauch im Vergleich zur Glühbirne amortisieren, mag das manch potenziellen Käufer abschrecken. (1), (4), (5)
Auch die Leuchtdichte, sprich das Maß, was Menschen an Helligkeit wahrnehmen, lässt bei der LED-Lampe noch zu wünschen übrig. Hier sind die Werte der konventionellen Glühbirnen nach wie vor weitaus besser.


Hersteller

Von den vorhandenen Defiziten lassen sich die Hersteller von LED-Lampen jedoch nicht entmutigen. Im Gegenteil: Osram, im Bereich LED die Nummer zwei nach dem japanischen Hersteller Nichia, investierte im vergangenen Jahr kräftig in diese Technologie. 134 Prozent des Umsatzes, den das Münchner Unternehmen mit Optohalbleitern erwirtschaftete, flossen nach Unternehmensangaben in die Abteilung Forschung und Entwicklung. Zwar produziert Osram nach wie vor vornehmlich Glühbirnen zuletzt weltweit 12,5 Milliarden doch sieht die Siemens-Tochter in den energiesparenden Alternativen ein großes Potential für die Zukunft. (5)
Der niederländische Elektronikkonzern Philips, mit seiner Fabrik in Aachen Deutschlands größter Leuchtmittelhersteller, in der sowohl Energiesparlampen als auch LED-Lampen entwickelt und produziert werden, ist ebenfalls von der Zukunft der LED-Lampe überzeugt. Deutschlandchef Hans-Joachim Kamp forderte sogar jüngst ein Verbot der traditionellen Glühbirne. (5), (7)


Marktchancen

Auch bei speziellen Beleuchtungssystemen, etwa in Fernsehern, in Monitoren oder in Kraftfahrzeugen, werden der LED Technologie große Chancen eingeräumt. Marktforschungsunternehmen wie Display Search prognostizieren, dass im Jahr 2012 gut ein Viertel aller verkauften LCD-Fernseher ihr Licht aus LED speisen wird. Noch optimistischer fallen die Prognosen für den automobilen Bereich aus. Hier rechnet das Marktforschungsunternehmen mit einem Anteil von 50 Prozent bei hinterleuchtenden Displays im Jahr 2012. Ähnlich positiv schätzen die Marktforscher von Strategies Unlimited die Zukunft der LED Technologie ein. Sie gehen davon aus, dass sich der Anteil von LED bei Notebook Displays in den kommenden drei Jahren auf 75 Prozent erhöhen wird. (6)


Fazit

Noch sind diese Prognosen Zukunftsmusik. Anfang 2006 lag beispielsweise der LED-Anteil bei Notebook-Flachbildschirmen bei gerade einmal einem Prozent. (6)
Dennoch könnten der Branche rosige Zeiten bevorstehen. Durch weitere technische Entwicklung lässt sich die Effizienz von LED noch weiter erhöhen. Ein kräftiger Ausbau der Fertigungskapazitäten könnte zudem die Preise sinken lassen, was die Nachfrage sowohl seitens der Industrie als auch der privaten Haushalte erhöhen könnte. Darüber hinaus könnten staatliche Regulierungen, wie etwa in Australien, der Branche einen weiteren Schub verleihen.



Fallbeispiele



Ein möglicher Gewinner des LED Booms könnte das Unternehmen Aixtron werden. Der Aachener Maschinenbauer produziert Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden. 60 Prozent des Unternehmensumsatzes werden in diesem Bereich erwirtschaftet. Mit einem Anteil um die 65 Prozent ist das TecDax notierte Unternehmen in diesem Segment seit Jahren Marktführer.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um den Klimaschutz legte die Aktie in den vergangenen Wochen kräftig zu. Analysten rechnen damit, dass das Unternehmen im laufenden Jahr 2007 einen Umsatz von 180 Millionen Euro und eine Marge von sechs Prozent erzielen könnte. Dies wäre eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, in dem der Umsatz bei 157 Millionen Euro lag und bei der Marge eine Nullrunde eingelegt wurde. (8), (9), (10)

Einen Beitrag zum Klimaschutz will auch der deutsche Hausgerätehersteller Miele leisten. Das Gütersloher Familienunternehmen strebt an, sämtliche Glühbirnen sowohl aus der Produktion als auch aus seinen Produkten zu verbannen. Stattdessen setzt der Hausgerätehersteller auf Energiesparlampen und Leuchtdioden. Dadurch sollen die Energiekosten um bis zu 80 Prozent gesenkt werden. (11), (12)

Auf Leuchtdioden setzt auch die nordrhein-westfälische Kreisstadt Düren. Die Stadt will nach und nach ihre Ampelanlagen umrüsten und mit LED Technik ausstatten. Die Stadtverwaltung verspricht sich durch den geringeren Stromverbrauch dieser Anlagen eine deutliche finanzielle Entlastung für den städtischen Haushalt. (13)


Zahlen & Fakten

20 Prozent ihres Energieverbrauchs benötigen die Industriestaaten für die Beleuchtung. Nach Berechnungen des amerikanischen Energieministeriums ließe sich in diesem Bereich kräftig sparen, indem Technologien wie die LED-Technologie konsequent zum Einsatz kämen. Ein breiter Einsatz alternativer Technologien könnten den weltweiten Stromverbrauch bis 2025 um 10 Prozent reduzieren. (1)

Weiterführende Literatur:

(1.) Abrell, Barbara, Leuchtdioden, Mehr Licht für weniger Energie, Focus online, 23.02.2007
aus WW NR. 044 VOM 30.10.2006 SEITE 090

(2.) Sauer, Benedikt, Mehr Farblicht im Alltag, LED-Licht als zukunftsträchtige Alternative zur Glühbirne, Der Standard, 23.02.2007, S. 2
aus "Der Standard" vom 23.02.2007 Seite: 2

(3.) O.V., EBV gründet "General-Lighting-Kompetenz-Team", Intelligente Lichtsysteme mit LEDs, Markt und Technik, Heft 08/2007, S. 32
aus Markt und Technik, Heft 08/2007, S. 32

(4.) Wels, Thomas, Viel Licht mit wenig Energie, Rheinische Post, 22.02.2007
aus Rheinische Post Nr. vom 22.02.2007

(5.) Eder, Stepan W., LED-Technik kann Lichtmarkt auf neue Füße stellen, VDI Nachrichten, 02.03.2007, S. 10
aus VDI NR. 09 VOM 02.03.2007 SEITE 10

(6.) O.V., Noch sind LED-hinterleuchtete Displays eine Randerscheinung, "Wir stehen erst am Anfang", Markt und Technik, Heft 08/2007, S. 34
aus Markt und Technik, Heft 08/2007, S. 34

(7.) Nicolai, Birger, Philips-Deutschlandchef will Glühbirne ausknipsen, Hans-Joachim Kamp unterstützt Forderung nach Verbot und preist alternative Technologien seines Unternehmens, Die Welt, 27.02.2007, S. 49
aus DIE WELT, 27.02.2007, Nr. 49, S. 13

(8.) Pindter, Matthias, Aixtron ist eine teure Wette, Aktie profitiert von Wende im operativen Geschäft und starkem Auftragsbuch - allerdings spiegelt der Kurs dies schon gebührend wider, Financial Times Deutschland, 02.03.2007, S. 24
aus Financial Times Deutschland vom 02.03.2007, Seite 24

(9.) Drescher, Ralf, Bulle & Bär, Im Licht des Klimawandels, 28.02.2007, S. 34
aus Handelsblatt Nr. 042 vom 28.02.07 Seite 34

(10.) O.V., Tod der Glühbirne, Wirtschaftswoche, 05.03.2007, S. 141
aus WW NR. 010 VOM 05.03.2007 SEITE 141

(11.) O.V., Miele schneller als Australien, Gütersloher Haushaltsgerätehersteller setzt auf Energiesparlampen, Neue Westfälische, 24.02.2007
aus Neue Westfälische

(12.) Stoldt, Till, Nordrhein-Westfale der Woche ist dieses Mal ein Umweltfreund, NRW Persönlich, Welt am Sonntag, 25.02.2007, S. NRW3
aus Neue Westfälische

(13.) O.V., Mit LED strahlt die Ampel heller, Stadt Düren setzt moderne Technik ein, Aachener Nachrichten, 25.01.2007
aus Aachener Nachrichten vom 25.01.2007

Autor GENIOS BranchenWissen: T.Hase
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 03/2007 vom 21.03.2007
Dokumentnummer: s_ele_20070321

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