Immobilien im Internet - führende Portale rangeln um Marktanteile

BAU & IMMOBILIEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 05/2007 vom 29.05.2007

Beitrag

Die drei führenden Immobilienportale ringen derzeit um Marktanteile. Die Hamburger Immonet wirbt verstärkt um neue Nutzer in den Springer-Titeln. Auch der Nürnberger Konkurrent Immowelt fährt eine millionenschwere Werbekampagne. Derweil ist Marktführer ImmobilienScout24 aus Berlin aufgrund der wechselnden Eigentümerverhältnisse vor allem mit sich selbst beschäftigt.


Eigentümerstreit bei Marktführer ImmobilienScout24

Die Situation bei dem führenden Online-Portal ImmobilienScout24 ist derzeit durch ständig wechselnde Besitzverhältnisse und widerstrebende Interessen auf Seiten der beiden größten Eigentümer, der Aareal Bank und der Deutschen Telekom, gekennzeichnet. Während der Wiesbadener Immobilienfinanzierer seinen Anteil an dem Onlineportal veräußern will, sind diese Versuche bislang am Widerstand der Deutschen Telekom gescheitert. (5), (7)



Aareal Bank stockt bei ImmobilienScout24 auf

Im April hat die Aareal Bank nun einen neuen Coup gelandet. Sie hat der Investmentbank Morgan Stanley und der Beteiligungsgesellschaft J.H. Whitney ihre Beteiligungen abgekauft und damit ihren Anteil an ImmobilienScout24 von 30,5 auf rund 54,2 Prozent aufgestockt. Analysten schätzen den Wert von ImmobilienScout24 auf 400 Millionen bis 650 Millionen Euro. Demzufolge hätte die Aareal knapp 100 Millionen bis 150 Millionen Euro für das Paket gezahlt. Ziel der Aufstockung ist es, eine bessere Verhandlungsposition beim geplanten Verkauf der ImmobilienScout24-Beteiligung zu erlangen. Die Aareal Bank rechnet hier mit einem Buchgewinn im hohen zweistelligen Millionenbereich. Kreisen zufolge führt die Aareal Bank mit zwei Finanzinvestoren Verkaufsgespräche. Immobilenscout24 gehört nicht zu den Kernaktivitäten der Aareal Bank. Kommt es zum Vertragsabschluss, hat die Telekom, die ein Vorkaufsrecht besitzt, vier Wochen Zeit, die Anteile zum selben Preis zu übernehmen. Die Bonner halten derzeit 33 Prozent an ImmobilienScout. (2), (5), (7)


Telekom verfolgt bei ImmobilienScout24 strategische Interessen

Die Telekom hat sich bislang gegen den Verkauf von ImmobilienScout24 gewehrt. Im März waren der Axel-Springer-Verlag und das Konsortium aus Stuttgarter Holtzbrinck-Konzern und Burda-Verlag aus dem Bieterverfahren um den Mehrheitsanteil an dem Online-Portal ausgestiegen. Zum Verkauf stand das Paket von 56,3 Prozent, das Aareal Bank, Morgan Stanley und J.H. Whitney zum damaligen Zeitpunkt gemeinsam hielten und das nun komplett an die Aareal Bank übergangenen ist. Als Grund für den Verzicht gaben die Medienhäuser die Veto- und Vorkaufsrechte der Deutschen Telekom an, die sich als unüberwindbares Hindernis erwiesen hätten. Die Verlagshäuser sollen der Telekom nicht gepasst haben, weil sie bereits mit eigenen Online-Portalen am Markt sind. Für die Telekom ist der ImmobilienScout24-Anteil ein strategisches Asset. Telekom-Chef René Obermann will stärker als seine Vorgänger auf webbasierte Dienste setzen. Das Paket der Telekom liegt bei deren Holding Scout24, in der die verschiedenen Anteile an Online-Portalen (z. B. AutoScout24 oder FinanzScout24) gebündelt sind. (2), (5), (7)


Immonet steigert Marktanteil über Zukauf

Eigentlich wollte der Springer-Verlag Marktführer ImmobilienScout24 kaufen. Das ist aber am Widerstand der Deutschen Telekom gescheitert. Nun hat Axel Springer über seine Tochtergesellschaft Immonet den kleineren Konkurrenten Wohnfinder übernommen. Dadurch soll der Marktanteil von Immonet gesteigert werden. Ferner ist künftig auch die Vermarktungssoftware "Webmakler" auf Immonet.de eingebunden. Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Wohnfinder.de ist vor allem bei den ostdeutschen Nutzern beliebt. Das Portal hat einen Bestand von rund 50 000 Immobilien. Für die Nutzer von Immonet und Wohnfinder ändert sich nach dem Kauf zunächst wenig. Die Portalbetreiber unterhalten seit 2004 eine exklusive Partnerschaft. Der gesamte Immobilienbestand ist für alle Nutzer von beiden Portalen aus zugänglich. (1)


Immowelt startet umfangreiche Werbekampagne

Im Kampf um Marktanteile wird nun auch Immowelt aktiv. Unter dem Motto "Genau meine Welt" startet das Immobilienportal eine bundesweite Werbekampagne. Ziel ist es, die Markenbekanntheit in allen relevanten Zielgruppen sowie den Marktanteil zu steigern. Das Budget für die Kampagne liegt im zweistelligen Millionen-Bereich. Immowelt verzeichnete zuletzt monatlich 150 Millionen Page Impressions. Das Portal ist Partner der ISA, dem Online-Rubriken-Netzwerk von Holtzbrinck, Dr. Ippen und der WAZ Mediengruppe. (9)



Fallbeispiele



In diesem Jahr stehen für ImmobilienScout24 hohe Investitionen in ein zweites Rechenzentrum und den Ausbau des Kundendienstes an. "Unsere Marge könnte dadurch auch sinken", erklärte Arndt Kwiatkowski, Vorstandsvorsitzender von ImmobilienScout 24. Außerdem sollen die Anzeigenpreise stufenweise um rund 90 Prozent erhöht werden. "Das klingt viel, sind aber nur vier bis acht Euro mehr im Monat je Objekt", fügte er hinzu. (8)

S-Immobilien.de, das zentrale Immobilienportal der Sparkassen-Finanzgruppe, kooperiert künftig mit den Immobilienbörsen Immonet.de und Immowelt.de. Nach einer Pilotphase mit neun Sparkassen und Landesbausparkassen werden ab Herbst alle 450 Institute die Möglichkeit haben, ihre Objekte automatisch auch in den beiden Börsen veröffentlichen zu lassen. Derzeit sind auf S-Immobilien.de knapp 65 000 Objekte zu finden. (4)


Zahlen & Fakten

Knapp zwei Drittel aller Haushalte mit Internetanschluss, die in den vergangenen zwölf Monaten umgezogen sind, haben das Web für ihre Immobiliensuche genutzt. Das geht aus einer Analyse des Marktforschungsinstituts Fittkau & Maaß hervor. Die Tageszeitung war mit 48,4 Prozent das zweitwichtigste Medium. Von den mehr als 9 000 befragten Internet-Nutzern gaben zudem 54,8 Prozent an, ihre Immobilie auch tatsächlich online gefunden zu haben. Die Trefferquote der Tageszeitung sank der Studie zufolge im gleichen Zeitraum von 28,1 auf 26 Prozent. Von den Immobilensuchenden, die sich im Netz bewegten, griffen 83,5 Prozent auf das Immobilienportal ImmobilienScout24 zu, 61,4 Prozent auf die Webangebote ihrer Tageszeitung, 51,1 Prozent auf die Homepage eines Maklers, 39,2 Prozent auf Immonet, 28,9 Prozent auf Immowelt und 17,9 Prozent auf Immopool. Die traditionellen Zeitungen werden inzwischen nur noch von 48,8 Prozent der Internetbenutzer zur Immobiliensuche genutzt. (3)



ImmobilienScout24 hat 2006 Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Vor Steuern legte das Ergebnis um 38 Prozent auf 21 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um knapp die Hälfte auf 53 Millionen Euro. "Auch für das Geschäftsjahr 2007 erwarten wir bei Umsatz und Ergebnis wieder ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich", sagte Arndt Kwiatkowski, Vorstandsvorsitzender von ImmobilienScout 24. "Auf der Plattform wird inzwischen die Hälfte aller deutschen Wohnimmobilien angeboten und rund 20 Prozent aller Abschlüsse initiiert", ergänzte Kwiatkowski. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 90 Prozent seines Umsatzes mit Anzeigenerlösen, die von 21 000 professionellen und rund 50 000 privaten Inserenten stammen. ImmobilienScout24 verzeichnet durchschnittlich mehr als zwei Millionen Besucher auf seiner Website im Monat und hat über eine Million verschiedene Objekte in der Datenbank. (6), (8)

Weiterführende Literatur:

(1.) O.V., Wohnfinder zieht bei Immonet ein, Der Kontakter Nr. 21 vom 21.05.2007 Seite 033
aus Der Kontakter Nr. 21 vom 21.05.2007 Seite 033

(2.) Hülsen, Isabell / Hillenbrand, Thomas, Verkauf von Immobilienscout24 stockt - Auch Holtzbrinck und Burda ziehen Gebote zurück - Vorkaufsrechte der Deutschen Telekom schrecken Interessenten ab, Financial Times Deutschland vom 06.03.2007, Seite 4
aus Financial Times Deutschland vom 06.03.2007, Seite 4

(3.) O.V., Wohnimmobilien: Immer mehr Haushalte suchen per Internet, IZ Aktuell vom 08.02.2007
aus IZ Aktuell vom 08.02.2007

(4.) O.V., Sparkassen kooperieren mit Immonet und Immowelt, IZ Aktuell vom 24.04.2007
aus IZ Aktuell vom 24.04.2007

(5.) O.V., Aareal Bank stockt bei ImmobilienScout24 auf - "Mehrheitsbeteiligung erweitert Handlungsoption", Börsen-Zeitung, 27.04.2007, Nummer 81, Seite 4
aus Börsen-Zeitung, 27.04.2007, Nummer 81, Seite 4

(6.) Görig, Carsten, Verlage bestätigen Interesse an Immobilienscout 24 - Onlineportal erzielt deutliches Ergebnis- und Umsatzplus, Financial Times Deutschland vom 20.02.2007, Seite 4
aus Financial Times Deutschland vom 20.02.2007, Seite 4

(7.) O.V., Telekom ist hohe Hürde für Aareal Bank - ImmobilienScout24-Verkauf gestaltet sich schwierig, Börsen-Zeitung, 07.03.2007, Nummer 46, Seite 4
aus Börsen-Zeitung, 07.03.2007, Nummer 46, Seite 4

(8.) O.V.; Immobilienscout 24 steigert den Umsatz um 45 Prozent, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2007, Nr. 42, S. 12
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2007, Nr. 42, S. 12

(9.) O.V., Werbefight der Immobilien-Sites, Der Kontakter Nr. 17 vom 23.04.2007 Seite 037
aus Der Kontakter Nr. 17 vom 23.04.2007 Seite 037

Autor GENIOS BranchenWissen: T.Trares
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 05/2007 vom 29.05.2007
Dokumentnummer: s_imm_20070529

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