Energieeffizienz von Gebäuden - Bundesregierung führt Energiepass ein

BAU & IMMOBILIEN | GENIOS BranchenWissen Nr. 12/2006 vom 18.12.2006

Beitrag

Angesichts steigender Energiepreise wird das Thema Energieeffizienz auf dem Immobilienmarkt künftig eine viel größere Rolle spielen als bisher. Ab 2008 will die Bundesregierung den Energiepass einführen. Damit sollen potenzielle Interessenten einen Einblick über den energetischen Zustand des Gebäudes erhalten.


Energiepass für Gebäude kommt ab 2008

Anfang 2008 soll die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft treten. Sie regelt die Einführung von Energieausweisen für bestehende Gebäude in Deutschland. Damit wird eine europäische Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt. So müssen ab dem Jahr 2008 Hauseigentümer, die ihre Immobilie vermieten oder verkaufen wollen, einen Pass über den Energieverbrauch ihres Gebäudes vorlegen. Ziel des Energiepasses ist es, Einsparpotenziale aufzuzeigen und den Energiebedarf von Häusern vergleichbar zu machen. (2)


Gute Energiewerte als Verkaufsargument

Der Energiepass soll Mietern und Immobilienkäufern Informationen über den Gebäudezustand, Öl- oder Gasverbrauch, Wärmedämmung sowie Anreize für Sanierungen liefern. Bei negativen Energiedaten würden sich so Möglichkeiten ergeben, Kaufpreis oder Miete zu drücken. Gute Werte sollen die Positionen der Verkäufer und Vermieter stärken. Miet- oder Kaufinteressenten sollten sich den Energieausweis z.B. im Zuge einer Wohnungsbesichtigung oder von Vertragsverhandlungen vom Gebäudeeigentümer vorlegen lassen. Sie müssen hier aber selbst aktiv werden. Der Eigentümer ist nicht verpflichtet, den Energieausweis von sich aus aktiv ins Verkaufs- oder Vermietungsgespräch einzubringen. (2), (5)


Bedarfsausweis versus Verbrauchsausweis

In der Regierungskoalition hat man sich auf zwei Varianten für den Energiepass geeinigt. Der aufwändigere Bedarfsausweis gibt Auskunft über den energetischen Gebäudezustand auf Basis des errechneten Energiebedarfs, während der Verbrauchsausweis über den leichter ablesbaren Öl-, Gas- und Heizstromverbrauch informiert. Nach der geplanten Verordnung sollen nur Eigentümer von Gebäuden, die nach 1977 erbaut wurden, eine Wahlmöglichkeit haben. Für Gebäude, die vor 1978 und damit vor der ersten Wärmeschutzverordnung entstanden sind und weniger als fünf Wohnungen haben, wird der strengere Bedarfsausweis Pflicht. Ausgenommen sind Wohngebäude, die inzwischen saniert wurden. Für diese besteht Wahlfreiheit. Bis 31. Dezember 2007 gilt darüber hinaus die uneingeschränkte Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis für alle Gebäude. (1), (2)


Welche Informationen stecken in dem Energiepass?

Der Gebäudenutzer erfährt mit dem Energiepass auf einen Blick, in welche Effizienzklasse sein Gebäude eingestuft wurde. Klasse A heißt "sehr gut" und wird nur für Gebäude mit einem Heizölverbrauch von weniger als fünf Liter je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr vergeben, während die schlechteste Klasse einen Jahresverbrauch von 50 Liter und mehr bedeutet. Bei diesem Wert handelt es sich um den errechneten Primärenergiebedarf. Zu jedem Energiepass gibt es zwei Modernisierungsvorschläge. Sie erläutern, welche Effizienzsprünge etwa durch den Einbau eines Brennwertkessels, einer Wärmeschutzverglasung und einer Dämmung der Außenwände möglich sind. Wurde der Energiepass einmal ausgestellt, ist er zehn Jahre lang gültig. (1)



Fallbeispiele



Vertreter der Wohnungswirtschaft bevorzugen den Verbrauchsausweis. Nur damit könne ein Mieter eine in Euro zu beziffernde Vorstellung von der Höhe der Nebenkosten bekommen. Auch der Bund der Energieverbraucher lobt den verbrauchsorientierten Pass und begründet dies mit den Mängeln, die im Bedarfsausweis stecken. So führten die Berechnungen des Energiebedarfs je nach gewähltem Rechenweg zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Mietervertreter begrüßen dagegen den Bedarfsausweis. Er ermittelt den Bedarf an Öl und Gas pauschal über die Gegebenheiten eines Hauses und seiner Wohnungen - etwa über die Beschaffenheit und Dicke der Wände und Fenster. Auch das Alter und der Zustand der Heizungsanlage werden berücksichtigt. (1)

Der Deutsche Mieterbund in Berlin empfiehlt Mietern und Käufern, sich nicht mit dem Verbrauchsausweis zufrieden zu geben. "Wir gehen davon aus, dass sich auf dem Markt nur der Bedarfsausweis durchsetzen wird", sagt Franz-Georg Rips, der Direktor des Mieterbunds. (3)

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat den Energiepass in einem bundesweiten Feldversuch getestet und einen "Prototypen" des Ausweises entwickelt. Laut dena stößt die Idee auf eine hohe Akzeptanz. Wir groß das Interesse ist, zeige auch die Suche nach qualifizierten Energieberatern in der Aussteller-Datenbank der dena (www.zukunft-haus.info). Erstellt wird der dena-Ausweis von einem Sachverständigen. Das sind in der Regel Architekten und Bauingenieure, aber auch geprüfte Energieberater im Handwerk. Allerdings sieht der bisherige Entwurf der EnEV eine "weite Palette" an Fachleuten vor, die künftig einen Energieausweis ausstellen dürfen. Ferner existieren auch noch in einigen Bundesländern regionale Energiepässe. Informationen über die Aussteller-Datenbank gibt es über eine kostenfreie Energie-Hotline unter 0800-736 734. (2), (6)


Zahlen & Fakten

Der bedarfsorientierte Ausweis soll nach Angaben der dena zwischen 150 und 500 Euro kosten. Die Haus- und Wohnungseigentümerverbände gehen gar davon aus, dass er je nach Gebäudeart bis zu 800 Euro kosten kann, sollten sich die Vertreter von Dämmstoffindustrie, Bau- und Heizungswirtschaft sowie Baustoffhandel und sonstige gewerblicher Energieberater durchsetzen. Die Schätzungen für den verbrauchsorientierten Ausweis reichen von 20 bis 50 Euro. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee rechnet damit, dass Hausbesitzer für einen bedarfsorientierten Pass 80 bis 120 Euro und für einen Verbrauchsausweis zwischen 40 und 60 Euro hinblättern müssen. (3), (7)



Wie groß das Interesse an konkreten Modernisierungshinweisen ist, zeigen die Suchanfragen in der internetbasierten Aussteller-Datenbank der dena. Hier haben sich bisher 19 000 qualifizierte Energieausweis-Aussteller eingetragen. Allein in diesem Jahr sind mehr als eine Million Suchanfragen eingegangen. (4)



Marktanalysen belegen, dass der energetische Zustand eines Gebäudes künftig bei Vermietung und Verkauf einer Immobilie an Bedeutung gewinnt. Der Druck steigender Heizkosten ist nicht nur für den Mieter ein Ärgernis, sondern auch für den Vermieter. Jede zusätzliche Energiepreiserhöhung begrenzt den Spielraum des Vermieters bei der Steigerung der Kaltmiete. Um 15 Prozent sind die Kaltmieten in den vergangenen zehn Jahren gestiegen; die Energiekosten dagegen um 85 Prozent. Die energetische Qualität eines Gebäudes ist deshalb heute schon ein wichtiges Vermietungs- und Verkaufsargument. Energieeffizienz ist zwar nicht das einzige Entscheidungskriterium für eine Immobilie, aber ein wichtiger Vorteil im Wettbewerb um Mieter und Käufer. (4),



"Der Ausweis setzt einen wichtigen Anreiz zur energetischen Sanierung", sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mit Blick auf die Ziele des Energiepasses. (6)

Weiterführende Literatur:

(1.) Küffner, Georg, Energiepaß soll zum Sparen anregen - Verwirrung um zwei Varianten des Sparausweises - Den Energieverbrauch bestimmt der Bewohner, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2006, Nr. 271, S. T2
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2006, Nr. 271, S. T2

(2.) Büser, Wolfgang / Heitmann, Maik, Streitfall Energiepass - Vielen Eigentümern ist der Energieverbrauch ihres Hauses unbekannt. Das soll sich ändern, Rheinische Post Nr. vom 09.12.2006
aus Rheinische Post Nr. vom 09.12.2006

(3.) Kärst, Thomas, Wohnung mit Wollmütze - Der neue Energieausweis teilt Gebäude nach Öl- oder Gasverbrauch ein - Stichtag 1. Januar 2008, Süddeutsche Zeitung, 24.11.2006, Ausgabe Deutschland, S. V2/27
aus Süddeutsche Zeitung, 24.11.2006, Ausgabe Deutschland, S. V2/27

(4.) Kohler, Stephan, Immobilienbrief - Der Energiepaß kommt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2006, Nr. 280, S. 47
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2006, Nr. 280, S. 47

(5.) O.V., Die Papiere informieren über die Energieeffizienz des Hauses - Energieausweis Fünf Fragen und Antworten geben Auskunft über die wesentlichen Hinweise, die man aus dem Dokument erhält, Fränkischer Tag Hassberge vom 02.12.2006, S. 46
aus Fränkischer Tag Hassberge vom 02.12.2006, S. 46

(6.) O.V., Jedes Haus braucht bald einen Ausweis - "Energiepass" informiert über Gebäude-Zustand, Allgemeine Zeitung vom 14.12.2006
aus Allgemeine Zeitung vom 14.12.2006

(7.) O.V., Das soll er kosten, Rheinische Post Nr. vom 09.12.2006
aus Rheinische Post Nr. vom 09.12.2006

Autor GENIOS BranchenWissen: T.Trares
Quelle: GENIOS BranchenWissen Nr. 12/2006 vom 18.12.2006
Dokumentnummer: s_imm_20061218

Dauerhafte Adresse des Dokuments: http://www.genios.de/document/BRAW__s_imm_20061218
Alle Rechte vorbehalten: © GBI-Genios, München
Besuchen Sie uns bei: Facebook Twitter Google Plus XING